Ray Charles 1971

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Aus der „Welt“ vom 27.9.1971

Eine Legende verliert an Glanz

Seit seiner ersten Europa-Tournee im Jahr 1963 gilt Ray Charles auch hierzuilande als einer der größten Entertainer des Showbusineß. Alle Jahre wieder zieht „der Meister“ seitedem seine „heiße Spur“ durch Deutschland – der Superlative in der Werbung ist kein Ende.

So kamen auch am Wochenende wieder die Verehrer des blinden „Genius“ in die Musikhalle, um eine Legende leibhaftig zu sehen und zu hören.

Willig ertrugen die zahlreichen Jugendlichen aus der „Pop-Generation“ eine Stunde lang den perfekten, aber gestrig glatten Big-Band-Sound des „Ray Charles Orchestra“ und den gefälligen Soul der „Raelets“. Alle warteten auf den Augenblick, da der „King of Soul“ selbst auf die Bühne treten würde.

Und dann kam er endlich – begleitet von seinem Impresario – und dankte mit spontanen Gesten für den Begrüßungsapplaus. Aber seltsam. Die Magie, von der es heißt, Ray Charles würde sich „nie von ihrem Pfad entfernen““, blieb aus. Was er auch sang, war es nun das blueshafte „Georgia on my mind“ oder der große Hit aus dem Ende der fünfziger Jahre „I can’t stop loving you“ – es blieb ein uneingelöstes Versprechen. Ray Charles entschuldigte sich beim Publikum, die Verstärkertechnik entsprach nicht seinen Vorstellungen. Der Beifall zeigte, man nahm die Ausflucht willig hin.

Doch technische Mängel allein mögen die Enttäuschung vo allem der jüngeren Zuhörer nicht verursacht zu haben. Der 41jährige „Genius“ scheint alt und verbraucht. Frank Sinatra hat bereits abgedankt. Ist auch die Ära Ray Charles zu Ende? Heinrich Klaffs

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