Stars of Faith of Black Nativity 1971

Aus der „Welt“ vom 6. Oktober 1971

Negro-Spirituals und Gospels in der Petrikirche

    Am liebsten seien, so steht es in der Bibel, Jesus die, „die da reinen Herzens sind“. Am liebsten ist wohl Jesus denen, die da reinen Herzens sind. Und so war denn Montag abend die Petrikirche voller junger Leute und reiner Herzen wie zu keinem Gottesdienst.

    Da sangen die „Stars of Faith of Black Nativity“ ihre Negro Spirituals und Gospelsongs. Die fünf Sängerinnen und ihr Pianist, einziger der Gruppe, der nicht längst der Generation der Zuhörer entwachsen war — waren mehr als ein Ersatz für Mahalia Jackson, die ihre Tournee unterbrochen hat, ohne in Hamburg gewesen zu sein. Nicht nur durch die Intensität ihres Gesangs, sondern auch durch die Art, wie sie ihre überleitenden Texte sprachen und wie sie sich bewegten, vermochten es die „Stars of Faith“, ihr Evangelium nahezu unmittelbar dem aufnahmewilligen Publikum beizubringen.

    Ohne Frage — Jesus war „in“ in der Petrikirche. Junge Leute in Hippiekleidung und sogar ein kleines Mädchen vorn am Podiumsrand mimten Ekstase, und der Vertreter der Kirche im Hintergrund setzte mit Recht eine beifällige Miene auf.

    Nur für den weniger naiven Skeptiker gab es so manches Körnchen Salz in der Suppe. Er erinnerte sich an das häßliche Wort vom „Onkel Tom“ und an eine überleitende Rede von Bobby Seale, die er kürzlich gehört hat. Er sah, wie ekstatisch jugendlichen Weißen und wie gelassen die „überschwenglichen“ Schwarzen im Publikum der Vorstellung folgten. So viel exaltierte Frömmigkeit und fromme Verschwisterung zweier Welten konnte er nicht mit den immer neuen Berichten über schwarze gegen weiße Feindseligkeit in Übereinstimmung bringen. Er wäre froh gewesen, wenn ihm beim Nachhauseweg die Botschaft der „Black Nativity“ eindringlicher erschienen wäre als jene noch nicht vergessene Haßrede des „Black Panther“ Bobby Seale. Heinrich Klaffs

Leave a Reply