Osibisa 1971

Osibisa 3011710011

Aus der „Welt“ vom 2.12.1971

Happy Music für Pop-Fans

Die Pop-Musik ist auf dem absteigenden Ast – er hängt zwischen den schmalzigen Niederungen der Schnulze und den kargen Höhen esoterischer Kunstmusik. In der Mitte gibt es manchen tumben Holzfällerrock und endlos zitierte Standards aus der goldenen Zeit des Pop. Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Wust der zahlreichen Bands sind sie fast unauffindbar.

Zu einem kleinen Revival unbekümmerter Begeisterung beim Hören von Pop, der die aus „populär“ gekürzte Bezeichnung zu Recht trug, kam es Dienstag abend in der Musikhalle. Ungewöhnlich schon, dass die Halle ausverkauft war, ungewöhnlich aber auch der, wie sich bald herausstellte, spontane Kontakt zwischen Musikern und Publikum.

Daran waren die „Osibisa“ schuld. Sie machten afrikanisch-westindische gemischte „happy music“ ganz ohne Party-Platten-Beigeschmack. Eine Prise Voodoo, eine Prise karibische Ausgelassenheit, einen Schuß Steppenlärm, alles durch die Mühle des Kommmerz gedreht und somit fein schmackhaft gemacht.

Fast mußte man befürchten, die britische Band „East of Eden“ würde anschließend einen schweren Stand haben. Weit gefehlt. Da war kein Londoner Nebel, der den Vergleich mit westindischer Sonne hätte scheuen müssen. Zwar gingen die „East of Eden“ ökonomisch mit musikalischen Mitteln um, wo die „Osibisa“ überfloß; solides Baßgefüge contra wilde Percussionsrhythmen – Spannung fehlte beiden nicht. hk

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