Bob Dylan & Santana in Verona

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Mein Artikel im “Hamburger Abendblatt” vom 30.05.1984

Bob Dylan macht sich für Hamburg warm

Seine meisten Klassiker schrieb Bob Dylan in den 60er und den frühen 70er Jahren: “Blowin in the Wind”, “Mr. Tambourine Man”, “Just Like A Woman”, “Like A Rolling Stone”, “Mighty Quinn”, “All Along the Watchtower”, “Lay Lady Lay”. Sie sind lebendig geblieben. Dylan selbst und andere Interpreten singen diese Lieder seitdem immer wieder – und jedesmal kllngen sie wieder anders, manchmal so anders, daß es die große Stammgemeinde der Dylan-Fans verschreckt. “Man hört nicht zweimal denselben Bob Dylan”, schrieb einst ein Kritiker.

Joan Baez, Bob Dylan, Carlos Santana – diese Namen klingen vielen heute Dreißig- und Vierzigjährigen immer noch wie Musik in den Ohren: Der eiserne Schmetterling der Folklore-Bewegung, der geniale Dichterfürst des Rock & Roll und der überschwengliche Latin-Rocker. Morgen, am Himmelfahrtsttag, werden die drei beim Hamburger Open-Air- Festival im St.-Pauli-Stadion am Millerntor auftreten.

Das Hamburger Abendblatt besuchte vorab die Tournee-Premiere von Bob Dylan (43) und Carlos Santana (36) im altrömischen Amphitheater der italienischen Provinzhauptstadt Verona (Norditalien). Joan Baez (43) war dort noch nicht dabei – sie macht erst in Hamburg gemeinsame Sache mit den beiden anderen. Während Dylan und Santana an zwei Konzertabenden in der ausverkauften Arena von Verona 40 000 Fans begeisterten, brachte Joan Baez bei einem Solokonzert in Mailand 15 000 Fans aus dem Häuschen.

Nostalgie? Ein Gewitterregen zu Konzerbeginn wusch die Luft, und in der grandiosen Kullsse des 1600 Jahre alten Amphitheaters ist ohnehin kein Platz für so ein neumodisches Wort. Ja, das Publlkum jubelte und ließ die Feuerzeuge funkeln, wenn es Dylans alte Lieder wiedererkannte. Doch in seinem Gesang war keine Spur rückwärts gewandter Wehmut.

Dylans überragender Lead-Gitarrist Mick Taylor (ehemals Mitglied der “Rolling Stones”) und die anderen Mitglleder seiner Band legten einen fliegenden Teppich aus purem Rock ‘n’ Roll unter alte und neuere Songs – da ging die Post ab. Die paar Webfehler im Zusammenspiel der frisch vereinten Band fielen wenigen auf.

“The Times They Are A-Changing” (Die Zeiten ändern sich) sang Dylan einst trotzig den Vätern ins Ohr. Aber er besinnt sich selbst immer wieder auf die alten Zeiten, greift zwischendurch zur akustischen Gitarre und zur Mundharmonika und stößt mit alter rauher Schärfe seine klassischen Protestsongs ins Publlkum; selbst das gute alte “Blowin’ in the Wind” sang er in Verona wieder.

Das Hamburger Festival wird von dem Gitarristen Alex Conti mit Band eröffnet, dann treten nacheinander Joan Baez, Santana und Dylan auf. Am Schluß soll es eine Session der drei geben. Festival-Dauer von 14 bis 22 Uhr, Einlaß ab 12 Uhr, Eintrittspreis an der Tageskasse 43 Mark. HEINRICH KLAFFS


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