VW-Sanierer Lopez

aus der Hamburger Morgenpost (MOPO) vom 10.4.2000

„Damit die Arbeit zum Segen wird“

VON H. KLAFFS

Bilbáo – „Es gibt kein größeres soziales Verbrechen, als unter dem Niveau seiner Fähigkeiten zu arbeiten.“ Das hat José Ignacio López de Arriortúa (59) nie getan.

1993, als es dem Volkswagen-Konzern ganz dreckig ging, der Jahresüberschuss von 1,11 Milliarden auf schäbige 147 Millionen zusammengeschmolzen war, warb VW-Chef Piëch den Basken bei General Motors (GM) ab. 1995 verdiente VW wieder über eine Milliarde. Aber López musste gehen, weil ihm ein Prozess wegen Industriespionage drohte. Er sollte GM-Firmengeheimnisse nach Wolfsburg mitgenommen haben. Dann, auf der Fahrt von Madrid in seine Heimatstadt Bilbáo, ein schwerer Autounfall, López lag zwei Wochen im Koma, litt an Gedächtnisschwund, war zwei Jahre von der Bildfläche verschwunden. Jetzt hat der „Kostenkiller“ sich in Deutschland zurückgemeldet.

Gemeinsam mit dem Nestor der deutschen Managementberater-Szene, dem Jesuiten Rupert Lay (60), hat López ein Buch über Unternehmensberatung und Management-Anforderungen herausgegeben: „Die Berater. Einstieg. Aufstieg. Wechsel.“ Dritter im Bunde: Der auf die Suche nach guten Unternehmensberatern spezialisierte Frankfurter „Headhunter“ Frank Höselbarth (44). Er hat die beiden „Heiligen am Ende des industriellen 20. Jahrhunderts“ zusammengebracht.

„Heilige“? „Ich bin kein Berater. Ich bin ein Arbeiter“, sagt López, der gläubige Sohn eines Kfz-Mechanikers: „Für mich ist die Arbeit fundamental. Und das heißt: Religion und Arbeit ist nach meiner Überzeugung dasselbe.“ Jesuit Lay: „Es gibt zwei Ansätze von Arbeit… Einmal als Fluch, in Folge der Erbsünde. Und zum zweiten als Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes.“ Wobei er in seinen Buchbeiträgen keinen Zweifel daran läßt, welchen Ansatz er vertritt: Aus dem Fluch die Teilhabe zu machen.

Abgehobene Philosophen? Nix da. Lay sieht eine Hauptaufgabe eines Unternehmensberaters darin, „die Spreu vom Weizen zu trennen“. Wenn es sein muss, mit Gewalt: Er habe gerade als Aufsichtsrat – und der sei ja auch Unternehmensberater – drei Vorstandsmitglieder, die mit Angst erzeugenden Methoden Leistung aus ihren Mitarbeitern herauspressen wollten, zum Rücktritt gezwungen. Denn sowas könne höchstens ein, zwei Jahre gut gehen. Dauerhaft sei notleidenden Unternehmen nur durch eine möglichst breite Vertrauensbasis zwischen Management und Mitarbeiterschaft, durch Teamarbeit statt Hahnenkämpfen zu helfen.

Und López, der „knallharte Sanierer“? „Bevor ich bei Volkswagen zu arbeiten begann, gab es Heerscharen sogenannter Consultants. Aus meiner Sicht war das eine Katastrophe. Jeden Monat bezahlte man rund 600 000 Mark dafür. Und was haben diese Typen, wenn wir sie morgens trafen, gemacht? Die saßen in Meetings herum. Ich habe alle gefeuert.“ Denn: Nur ohne die Arbeiter gehe es nicht, zu denen müsse jeder Berater eine Beziehung aufbauen, „sonst werden sie ihm nicht helfen, sein Ziel zu erreichen.“

Neugierig? Das Buch ist im F.A.Z.-Institut erschienen, ISBN 3-927282-86-3, 49,80 Mark.

Hier der Link zur MOPO:

MOPO-Artikel über VW-Sanierer Lopez

Tags: , , , , ,

Leave a Reply