Archive for the ‘Blues’ Category

John Mayall 1974

Donnerstag, Juni 13th, 1974

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 13.06.1974

Neue Musiker, alter Blues

Musiker kommen, Musiker gehen – John Mayall ist immer der alte, auch wenn er seine Bands ständig umbesetzt. Diesmal war vom letzten Jahr nur der Saxophonist Red Holloway, ein wahres Urviech, übriggeblieben.

Die anderen Begleiter des Blues-Barden Mayall gestern abend beim Konzert in der Musikhalle: Soko Richardson, Schlagzeuger, der früher mit Ike und Tina Turner durch die Lande zog; Larry Taylor, Bassist, der mit der Boogie-Woogie-Band Canned Heat berühmt wurde und schon früher mit John Mayall spielte; Randy Resnick und Hightide Harris, die beide als Gitarristen noch keinen großen Namen haben.

Die Band spielte fast bis zur Blasiertheit manirierten, jazzigen Blues-Rock. Alte Mayall-Klischees gab es die Menge, das musizierte sich so runter und ging entsprechend leicht ins Ohr. Das war keine Musik, über die man sich ärgern kann, eher eine zum Mitklatschen und Wippen.

Aber so richtig aus der Reserve kamen weder die Musiker noch ihre Publikum. Nur Randy Resnick legte sich mächtig ins Zeug. hk

Canned Heat 1974

Donnerstag, März 21st, 1974

Bob Hite und James Shane: Der neue Gitarrist brachte Schärfe ins Spiel von „Canned Heat“

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Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 21.03.1974

Hitze in Dosen, aber zu scharf

Canned Heat – das heißt so viel wie Hitze in Dosen. Und heiß ist sie noch, die Musik der Boogie-Gruppe um Bob, den „Bär“ Hite. Aber der einstmals so lässige Sound der Canned Heat hat sich sehr verändert. Der neue Sänger und Gitarrist James Shane hat scharfe, harte Töne ins Spiel gebracht. Das konnte man gestern abend in der Musikhalle beim nahezu ausverkauften Comeback-Konzert der Gruppe hören.

Auch nicht gerade sanft, aber bei aller Spannung schon ausgewogen und solide klang der Blues von dem Ex-Canned-Heat-Gitarristen Harvey Mandel und seinen Leuten im Vorprogramm. Leider fehlte bei Harvey Mandel der Teufelsgeiger Sugarcane Harris: Der unstete Geselle mußte in London ins Gefängnis. hk

American Blues Legends 1974

Montag, März 4th, 1974

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 04.03.1974

Statt Blues nur noch ein Schmierentheater

Tendenz lustlos – das war die Stimmung beim Konzert der American Blues Legends 74 gestern abend in der Kleinen Musikhalle. Das erste Hamburger Konzert dieser Serie am vergangenen Jahr hatte viel erwarten lassen. Diesmal war es leider Schmierentheater.

Ein Lichtblick: Isiah „Doctor“ Ross mit seinem ländlichen Blues und Boogie Woogie. Er machte alles selbst: Mundharmonika noch am besten, die Gitarre ging auch ganz schön in die Beine, und in seiner Stimme schwang der Blues, die sorgenbrechende Kadenz.

Unterhaltsam war auch der alternde Piano-Entertainer „Cousin Joe Pleasant“, eine Mischung aus Fats Domino und Champion Jack Dupree. Dagegen blies „Big John“ Wrencher, der große einarmige Mann, zwar eine stramme Mundharmonika, aber für richtigen Blues ließ er sich viel zuwenig gehen.

Eddy „Playboy“ Taylor und George G. P. Jackson zupften abwechselnd die Gitarre zum Klang einer Art elektronischem Metronom in Ermangelung eines Schlagzeugers. Kein beneidenswerter Job . . . hk

American Blues Legends 1973

Freitag, Februar 2nd, 1973

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Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 27.02.1973

Rollender schwarzer Blues berauschte die Jazzfans

Sie heißen Boogie Woogie Red, Oakland Jonny Mars, Paul Riley (unser Bild, von links), Homesick James, Snooky Prior, Lightnin‘ Slim, Whispering Smith und John Hunt. Und sie alle haben den Blues im Blut. Als „American Blues Legends“ kamen sie nach Hamburg, um ihre Folklore, den rockenden, rollenden schwarzen Blues zu spielen. Bis spät in die Nacht hinein war das jugendliche Publikum im Malersaal des Schauspielhauses im Blues-Rausch, der Lahme wieder aufstehen läßt und Traurige zum Lachen bringt. Die Begeisterung beruhte auf Gegenseitigkeit – so viel Resonanz beim Publikum schlug auch die Musiker in Bann, und fast schien es, als wurde gestern eine Brücke vom Malersaal zum Mississippi geschlagen. hk

American Folk Blues Festival 1972

Mittwoch, März 15th, 1972

Beifall für den Blues

Als gestern abend in der Musikhalle von seinen über 60 Jahre alten Repräsentanten „American Folk Blues“ gesungen wurde, da bestand das Publikum hauptsächlich aus der Generation derer, die angeblich „keinem über 30 trauen“. So faszinierend ist immer noch der Blues.
Ob Big Joe Williams mit harter Greisenstimme so authentisch zur Gitarre sang, als träte er in einem Ballsaal dea Mississippidelta vor 60 Jahren auf, oder ob T-Bone Walker seinen elektronisch verbrämten Blues, Memphis Slim seinen Boogie vortrug: Wenn sie vom morgendlichen Brummschädel, von Liebeskummer oder den Freuden der Liebe sangen, dann klatschten alle Zuhörer den Rhythmus mit. hk

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 15.3.1972

Hier ein Foto von T-Bone Walker: Mehr Fotos durch Klick auf das Bild.

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