Archive for the ‘Konzerte’ Category

Gilbert O’Sullivan

Donnerstag, September 26th, 1974

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Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 26.09.1974

Gilbert O’Sullivan sang im CCH

Ein hübscher Mann, dieser Gilbert O’Sullivan. Typ Pirat, ein goldener Ohrring würde gut zu fhm passen. Er trägt dafür zwei goldene Kettchen am Hals und spricht von Frauen meist im Plural. Wenn er singt, dann schaut er jedoch Ins dunkle Publikum, als meinte er nur eine ganz bestimmte, einzige. Und er hat sie alle um den Finger gewickelt. Ein Mädchen nach dem anderen kam an die Bühne, schenkte Ihm Blumen und holte sich ein Küßchen ab. Mit einer hat er getanzt und eine durfte zu ihm auf den Klavierhocker. Charmant, kokett und das gewisse Etwas in dgr nasalen Stimme: Gilbert O’Sullivan singt melancholische, dabei tröstliche Lieder. Ein süßes Gegengift für Schmuddelwetterstimmung, gestern abend kredenzt Im großen Saal des CCH. hk

Frank Zappa 1974

Dienstag, September 17th, 1974

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 17.09.1974

Frankenstein und Chaplin durcheinander, so ist Zappa

Wer Frank Zappa einen Popmusiker nennt, tut ihm unrecht. Das Etikett für diesen Meuchelmörder musikalischer Traditionen ist noch nicht erfunden. Zappa – gern in Feldherrenpose – läßt erst seine Band „Mothers of Invention“ einen x-beliebigen Balla-Balla-Schlager so schnulzen. daß man das Original nie wieder hören möchte, und dann nach Herzenslust jazzen. Dann spielen die „Mütter“ Rock ’n‘ Roll, und dann zitieren sie Beethoven. Das alles hört sich an, als würden Frankenstein, King Kong und Charlie Chaplin durcheinandersprechen. Zwischendurch klingt es auch mal wie Orffsche Schulmusik – nur: kein Schulmusiker ist je so mit allen Wassern gewaschen.

Das zur Hälfte schicke, zur Hälfte gammelige Publikum im voll besetzten großen Saal des CCH, wo Zappas Band gestern abend ein Konzert gab, lehnte sich zurück und genoß. Früher hatte Frank Zappas Musik vielleicht manchmal mehr Saft drauf, jetzt kann man sie richtig genießen. hk

John Mayall 1974

Donnerstag, Juni 13th, 1974

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 13.06.1974

Neue Musiker, alter Blues

Musiker kommen, Musiker gehen – John Mayall ist immer der alte, auch wenn er seine Bands ständig umbesetzt. Diesmal war vom letzten Jahr nur der Saxophonist Red Holloway, ein wahres Urviech, übriggeblieben.

Die anderen Begleiter des Blues-Barden Mayall gestern abend beim Konzert in der Musikhalle: Soko Richardson, Schlagzeuger, der früher mit Ike und Tina Turner durch die Lande zog; Larry Taylor, Bassist, der mit der Boogie-Woogie-Band Canned Heat berühmt wurde und schon früher mit John Mayall spielte; Randy Resnick und Hightide Harris, die beide als Gitarristen noch keinen großen Namen haben.

Die Band spielte fast bis zur Blasiertheit manirierten, jazzigen Blues-Rock. Alte Mayall-Klischees gab es die Menge, das musizierte sich so runter und ging entsprechend leicht ins Ohr. Das war keine Musik, über die man sich ärgern kann, eher eine zum Mitklatschen und Wippen.

Aber so richtig aus der Reserve kamen weder die Musiker noch ihre Publikum. Nur Randy Resnick legte sich mächtig ins Zeug. hk

Udo Lindenberg Mai 1974

Mittwoch, Mai 29th, 1974

„Aus dem Hamburger Abendblatt“ vom 29.05.1974

Lieder aus der Kneipe sind salonfähig geworden

Udo Lindenberg ist „in“. Wie beim erstenmal vor einem halben Jahr hatte dieser Sänger gestern abend volles Haus in der Musikhalle. Nur war diesmal das Publikum schicker. Jetzt kommen nicht nur die Stammgäste aus der Kneipe, wo er seine Lieder erfindet und wo er sie immer noch singt. Udo Lindenberg und sein Panikorchester sind salonfähig geworden.

Der Rock ’n‘ Roll-Sänger ist deshalb nicht gleich ausgeflippt. Seine Lieder sind noch immer authentische Reportagen von den Phantasien und von der Wirklichkeit dieser Jugend, für die und von der er singt – auf deutsch, damit sie ihn auch versteht. Und schlagfertig wie je reimt Lindenberg zum Beispiel „Grethe Weiser am Synthesizer“. hk

Canned Heat 1974

Donnerstag, März 21st, 1974

Bob Hite und James Shane: Der neue Gitarrist brachte Schärfe ins Spiel von „Canned Heat“

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Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 21.03.1974

Hitze in Dosen, aber zu scharf

Canned Heat – das heißt so viel wie Hitze in Dosen. Und heiß ist sie noch, die Musik der Boogie-Gruppe um Bob, den „Bär“ Hite. Aber der einstmals so lässige Sound der Canned Heat hat sich sehr verändert. Der neue Sänger und Gitarrist James Shane hat scharfe, harte Töne ins Spiel gebracht. Das konnte man gestern abend in der Musikhalle beim nahezu ausverkauften Comeback-Konzert der Gruppe hören.

Auch nicht gerade sanft, aber bei aller Spannung schon ausgewogen und solide klang der Blues von dem Ex-Canned-Heat-Gitarristen Harvey Mandel und seinen Leuten im Vorprogramm. Leider fehlte bei Harvey Mandel der Teufelsgeiger Sugarcane Harris: Der unstete Geselle mußte in London ins Gefängnis. hk

American Blues Legends 1974

Montag, März 4th, 1974

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 04.03.1974

Statt Blues nur noch ein Schmierentheater

Tendenz lustlos – das war die Stimmung beim Konzert der American Blues Legends 74 gestern abend in der Kleinen Musikhalle. Das erste Hamburger Konzert dieser Serie am vergangenen Jahr hatte viel erwarten lassen. Diesmal war es leider Schmierentheater.

Ein Lichtblick: Isiah „Doctor“ Ross mit seinem ländlichen Blues und Boogie Woogie. Er machte alles selbst: Mundharmonika noch am besten, die Gitarre ging auch ganz schön in die Beine, und in seiner Stimme schwang der Blues, die sorgenbrechende Kadenz.

Unterhaltsam war auch der alternde Piano-Entertainer „Cousin Joe Pleasant“, eine Mischung aus Fats Domino und Champion Jack Dupree. Dagegen blies „Big John“ Wrencher, der große einarmige Mann, zwar eine stramme Mundharmonika, aber für richtigen Blues ließ er sich viel zuwenig gehen.

Eddy „Playboy“ Taylor und George G. P. Jackson zupften abwechselnd die Gitarre zum Klang einer Art elektronischem Metronom in Ermangelung eines Schlagzeugers. Kein beneidenswerter Job . . . hk

Udo Lindenberg Januar 1974

Dienstag, Januar 22nd, 1974

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Panikorchester, Katastrophenensemble: Udo Lindenbergs Band „haut einen um“. Noch ist seine Show kein Kommerz, sondern Selbstdarstellung: ein bißchen Panik, ein bißchen Laienspiel. „Alles klar auf der Andrea Doria“ heißt der Panik-Hit. Gestern abend gab die Band ihr erstes großes Konzert in Hamburg. Da war „alles klar“. Die Musik heiß wie versprochen, und das Boogie-Woogie-Mädchen der Band, Judith, hatte rote Haare im Scheinwerferlicht und ein ganz nasses Gesicht, wie im Lied. hk

(Hamburger Abendblatt 22.1.1974)

Joan Baez 1973

Donnerstag, November 29th, 1973

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 29.11.1973:

Vor dreihundert Jahren wäre Joan Baez sicherlich als Hexe verbrannt worden: so bezaubernd ist diese unorthodoxe Frau, die für die Freiheit der Unterdrückten genauso singt wie für die Freiheit der Liebe – und die freie Liebe. Ihre große Faszinationskraft bewies die Muse des Protestsongs gestern abend im vollbesetzten großen Saal des CCH. Wer am Anfang noch raunte: „Ist doch alles Show“, der verstummte bald. Joan Baez schlug sie alle in den Bann. hk

Eins meiner Fotos aus diesem Konzert. Mehr davon durch Klick auf das Bild bei flickr.com

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Santana 1973

Dienstag, November 27th, 1973

„Hamburger Abendblatt“ vom 27.11.1973:

Santana zauberte mit Musik

Carlos Santana (Foto), der Gitarrenmagier, und seine Leute spielten gestern abend im vollbesetzten Riesensaal des CCH. Berauschende, hypnotisierende Musik; afro-kubanisch-mexikanisch-lateinamerikanische Musik; Karneval in Rio in die Popmusik-Sprache übersetzt. Viele im Publikum tanzten, und die anderen waren vielleicht nur zu sehr im Bann dieser Rhythmen, um mitzumachen. So, als täten sie’s nicht für Geld und Beifall, spielten Santana und seine Musiker. So, als triebe sie die Begeisterung dazu. Ein Gefühl, das sich aufs Publikum übertrug. hk

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere Bilder durch Klick auf das Foto:

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Adamo

Donnerstag, November 15th, 1973

„Hamburger Abendblatt“ vom 15.11.1973

Mit Gefühl und Poesie: Ein neuer Adamo

Ein neuer Adamo sang gestern abend in der vollbesetzten Musikhalle. Die Träne, mit der er einst in Deutschland auf Reisen ging, blinkte nicht mehr im Knopfloch seines schwarzen Samtanzugs. Salvatore Adamo hat endlich Texter gefunden, die seine zärtlichen französischen Liedchen einigermaßen angemessen in die deutsche Sprache übertragen.
Ein wenig Kitsch, ein wenig Schmalz, viel Gefühl und Poesie. Adamo Ist nie aggressiv, er singt oft von Feen und Blumen, Bäumen und Wolken – aber er kann auch witzig sein.
Meist wirkt jedoch der 30 Jahre alte Chansonnier wie ein magerer Jüngling, der vor dem Balkon seiner Geliebten ein Ständchen singt. Dann wieder blitzt der Schalk im Jungengesicht.
So oder so: Das Publikum war ganz auf der Seite des Sängers. hk

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Ein Foto aus dem Konzert. Mehr Bilder durch Klick auf das Foto. Der Artikel dazu: www.hklaffs.de