Archive for the ‘Rock und Pop’ Category

Udo Lindenberg Mai 1974

Mittwoch, Mai 29th, 1974

„Aus dem Hamburger Abendblatt“ vom 29.05.1974

Lieder aus der Kneipe sind salonfähig geworden

Udo Lindenberg ist „in“. Wie beim erstenmal vor einem halben Jahr hatte dieser Sänger gestern abend volles Haus in der Musikhalle. Nur war diesmal das Publikum schicker. Jetzt kommen nicht nur die Stammgäste aus der Kneipe, wo er seine Lieder erfindet und wo er sie immer noch singt. Udo Lindenberg und sein Panikorchester sind salonfähig geworden.

Der Rock ’n‘ Roll-Sänger ist deshalb nicht gleich ausgeflippt. Seine Lieder sind noch immer authentische Reportagen von den Phantasien und von der Wirklichkeit dieser Jugend, für die und von der er singt – auf deutsch, damit sie ihn auch versteht. Und schlagfertig wie je reimt Lindenberg zum Beispiel „Grethe Weiser am Synthesizer“. hk

Udo Lindenberg Januar 1974

Dienstag, Januar 22nd, 1974

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Panikorchester, Katastrophenensemble: Udo Lindenbergs Band „haut einen um“. Noch ist seine Show kein Kommerz, sondern Selbstdarstellung: ein bißchen Panik, ein bißchen Laienspiel. „Alles klar auf der Andrea Doria“ heißt der Panik-Hit. Gestern abend gab die Band ihr erstes großes Konzert in Hamburg. Da war „alles klar“. Die Musik heiß wie versprochen, und das Boogie-Woogie-Mädchen der Band, Judith, hatte rote Haare im Scheinwerferlicht und ein ganz nasses Gesicht, wie im Lied. hk

(Hamburger Abendblatt 22.1.1974)

Santana 1973

Dienstag, November 27th, 1973

„Hamburger Abendblatt“ vom 27.11.1973:

Santana zauberte mit Musik

Carlos Santana (Foto), der Gitarrenmagier, und seine Leute spielten gestern abend im vollbesetzten Riesensaal des CCH. Berauschende, hypnotisierende Musik; afro-kubanisch-mexikanisch-lateinamerikanische Musik; Karneval in Rio in die Popmusik-Sprache übersetzt. Viele im Publikum tanzten, und die anderen waren vielleicht nur zu sehr im Bann dieser Rhythmen, um mitzumachen. So, als täten sie’s nicht für Geld und Beifall, spielten Santana und seine Musiker. So, als triebe sie die Begeisterung dazu. Ein Gefühl, das sich aufs Publikum übertrug. hk

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere Bilder durch Klick auf das Foto:

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Adamo

Donnerstag, November 15th, 1973

„Hamburger Abendblatt“ vom 15.11.1973

Mit Gefühl und Poesie: Ein neuer Adamo

Ein neuer Adamo sang gestern abend in der vollbesetzten Musikhalle. Die Träne, mit der er einst in Deutschland auf Reisen ging, blinkte nicht mehr im Knopfloch seines schwarzen Samtanzugs. Salvatore Adamo hat endlich Texter gefunden, die seine zärtlichen französischen Liedchen einigermaßen angemessen in die deutsche Sprache übertragen.
Ein wenig Kitsch, ein wenig Schmalz, viel Gefühl und Poesie. Adamo Ist nie aggressiv, er singt oft von Feen und Blumen, Bäumen und Wolken – aber er kann auch witzig sein.
Meist wirkt jedoch der 30 Jahre alte Chansonnier wie ein magerer Jüngling, der vor dem Balkon seiner Geliebten ein Ständchen singt. Dann wieder blitzt der Schalk im Jungengesicht.
So oder so: Das Publikum war ganz auf der Seite des Sängers. hk

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Ein Foto aus dem Konzert. Mehr Bilder durch Klick auf das Foto. Der Artikel dazu: www.hklaffs.de

The Osmonds

Donnerstag, November 8th, 1973

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Osmonds begeisterten die Fans

Die fünf Gebrüder Osmond – und mit einer Einlage „Nesthäkchen“ Jimmy Osmond als sechster im Bunde -, Pop Wunderkinder aus den USA, zogen gestern abend im CCH vor gut zweitausend begeisterten Fans im Alter von neun bis 14 Jahren ihre eindrucksvolle Show ab. Die Veranstaltung bot eine Mischung aus Rockoper, nostalgischem Cabaret und Krippenspiel, und die Brüder wirkten wie eine perfekte, chemisch reine Mischung aus Paul Anka, Elvis Presley und Mick Jagger. So ausgeklügelt und perfekt die Show der Osmonds ist – sie wirken dabei doch immer so frisch und liebenswert, wie eine Pop-Gruppe sein muß, wenn Eltern ihre Jungtöchter abends für die Vorstellung „freigeben“ sollen. hk

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 08.11.1973

Fats Domino

Mittwoch, Mai 16th, 1973

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Aus dem „Hamburger Abendblatt vom 16.05.1973

Bei Fats rockten alle mit

Der gute alte Rock ’n‘ Roll lebt. Fats Domino hat es bewiesen. Dieser dicke Mann mit dem ewigen Grinsen im quadratischen Gesicht klimperte und sang gestern abend in der knackevollen Musikhalle seine über 20 Jahre alten Songs, als hätte er sie gerade erst erfunden. Genauso lässig, genauso gemütlich und ohne jeden Schnokus wie damals, als der Rock ’n‘ Roll und Fats Domino gleichzeitig in Mode kamen. Ein „Rocker“, sprich Rabauke, war Fats nie. Er har andere Qualitäten. „Jump Blues“ nennt man seine Musik: Das bedeutet, zu den Harmonien von „Ain’t that a shame“ oder „l’m the Sheik of Araby“ kann keiner ruhig sitzen bleiben. Selbst in der ungemütlichen Musikhalle fing gestern abend alles an zu „rocken und zu rollen“.

Emerson, Lake & Palmer 1973

Dienstag, April 17th, 1973

Die Fans waren außer Rand und Band

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Teenie-Schwarm: Greg Lake

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Aus dem Hamburger Abendblatt vom 17.4.1973:

Perfekter geht’s nimmer

Die Ernst-Merck-Halle war gestern abend der Himmel auf Erden für 4000 Popfans. Zwei Stunden lang berauschten sie sich an der Kolossalmusik der Superrocker Emerson, Lake & Palmer. Von der eigens mitgebrachten Bühne bis zur Millionen-Elektronik war alles vom größten und besten, ohne daß sich das Trio in diesem bombastischen Rahmen der eigenen Hände Arbeit zu schämen brauchte. So schnell und virtuos wie Keith Emerson bearbeitet keiner Orgel. Klavier oder Synthesizer, so gefällig wie Greg Lake zupft und singt sonst keiner, und niemand trommelt so rasant wie Carl Palmer. Nur – was kommt jetzt? Eigentlich können „ELP“ sich nur noch wiederholen. Sie haben ihre Ausdrucksmöglichkeiten auf die Spitze getrieben. Perfekter geht’s nimmer. hk

West, Bruce & Laing 1973

Montag, April 16th, 1973

Der explosive Rock der Spät-Twens

(Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 16.04.1973)

Wenn Rockfans höchstes Lob aussprechen, sagen sie: „Das geht ganz unheimlich los!“ Die Musik von Jack Bruce, Leslie West und Corky Laing, die als „Bruce, West & Laing“ ausgezogen sind, harten Rock zu spielen, ging ganz unheimlich los. Die drei spielten gestern in der ausverkauften Musikhalle zwar fast nur alte bis uralte Titel von Chuck Berrys „Roll over Beethoven“ bis zu „Politician“ und „Sunshine of Your Love“ von der legendären Supergruppe „Cream“. Aber die Machart dieser Musik ließ einem gar keine Zeit, an die gute alte Zeit des Heavy Rock zu denken. Viel zu frisch, viel zu spannend und viel zu explosiv klang das, was diese Spät-Twens da machten. Das sonst oft so muffelige Hamburger Pop-Publikum ließ sich denn auch nicht lumpen und gab enormen Beifall. hk

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere meiner Bilder von flickr.com durch Klick auf das Foto.

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Led Zeppelin 1973

Donnerstag, März 22nd, 1973

Mein Konzertbericht aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 22.3.1973

Selbst viele Fans flohen vor dem Lärm

„Wir wollen den Fans ordentlich einheizen“, hat Gitarrist Jimmy Page von der Rockgruppe Led Zeppelin vor der Deutschland-Tournee gesagt, die das gut verdienende Quartett gestern nach Hamburg führte.
Die Musikhalle war restlos ausverkauft – der Name Led Zeppelin hat trotz abschlaffender Pop-Welle nicht an Anziehungskraft verloren. Aber gegen Schluß des Konzerts verließen viele Fans vorzeitig den Saal. Denn von der Musik der Gruppe war nicht viel zu hören.
Zwischtöne gingen unter im ohrenbetäubenden Lärm. Die Phonstärke der Led-Zeppelin-Musik hätte für ein 20 000 Mann fassendes Stadion gereicht – in der relativ kleinen Musikhalle lag der Schallpegel bei den meisten Stücken weit über der Schmerzgrenze.
Dennoch dankte das jugendliche Publikum für jedes Stück mit viel Beifall. Freudiger Applaus begrüßte schon die ersten Takte jedes Led- Zeppelin-Hits. Schließlich kannten die meisten, die sich da manchmal die Ohren zuhielten, den wahren Klang dieser Musik wenigstens von Platten. hk

Hier eins meiner Fotos auf Flickr.com – weitere Fotos bei Klick auf das Bild.

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Robert Plant in Action

Rory Gallagher

Montag, Januar 15th, 1973

Sie feierten ihn bis in die tiefe Nacht

15.01.1973

Ein Jahr nach seinem letzten Konzert In Hamburg kam Rory Gallagher, der „weltbeste Gitarrist der Popmusik“, wieder nach Hamburg, und die 2000 Fans in der ausverkauften Musikhalle feierten ihn wie einen verlorenen Sohn. Bis halb zwölf steigerte sich die Begeisterung noch, dann hatte das Publikum Musik „satt“, und Rory konnte wohl auch nicht mehr. Der Anti-Star der Popmusik spielte auch diesmal Blues, Blues und noch einmal Blues. Aber wie er ihn spielt, das ist das Geheimnis seines dauernden Erfolgs: in Gallaghers Musik ist keine Leerstelle, kein tauber Fleck. Wenn er auf der Bühne steht, bleibt weder sein Hemd noch ein Auge trocken.

Das ist der Wortlaut meines Artikels im „Hamburger Abendblatt“ vom 15.1.1973

Hier ein Foto von Rorys Konzerten (1971 und 1973) in der Hamburger Musikhalle:

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Weitere Bilder findet ihr, wenn ihr auf das Foto klickt.