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Emerson, Lake & Palmer 1973

Dienstag, April 17th, 1973

Die Fans waren außer Rand und Band

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Teenie-Schwarm: Greg Lake

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Aus dem Hamburger Abendblatt vom 17.4.1973:

Perfekter geht’s nimmer

Die Ernst-Merck-Halle war gestern abend der Himmel auf Erden für 4000 Popfans. Zwei Stunden lang berauschten sie sich an der Kolossalmusik der Superrocker Emerson, Lake & Palmer. Von der eigens mitgebrachten Bühne bis zur Millionen-Elektronik war alles vom größten und besten, ohne daß sich das Trio in diesem bombastischen Rahmen der eigenen Hände Arbeit zu schämen brauchte. So schnell und virtuos wie Keith Emerson bearbeitet keiner Orgel. Klavier oder Synthesizer, so gefällig wie Greg Lake zupft und singt sonst keiner, und niemand trommelt so rasant wie Carl Palmer. Nur – was kommt jetzt? Eigentlich können „ELP“ sich nur noch wiederholen. Sie haben ihre Ausdrucksmöglichkeiten auf die Spitze getrieben. Perfekter geht’s nimmer. hk

„British-German Pop-Meeting“ Hamburg 1971

Montag, September 20th, 1971

Achim Reichel 2009710004

„A.R. & Machines“: Achim Reichel versuchte beim British-German Pop Meeting am 18.9.1971
„eine Verbindung von elektronischer Utopie mit Pop“, wie es in der Pressemitteilung des Veranstalters Karsten Jahnke hieß

Aus der „Welt“ vom 20.9.1971

Die Rocker sorgten für Ordnung, das Rote Kreuz half den Haschern

    Das war ein müdes Musikmarathon


Ausgerechnet im Rahmen einer Wirtschaftswoche kam Hamburgs Pop-Jugend zu einem Musikmarathon, dem „British-German Pop-Meeting“, am Sonnabend in der Ernst-Merck-Halle. Ohrenschmaus von vier bis Mitternacht.

Zu einem musikalischen Ereignis allerdings geriet die Fete nicht. Völlig zu Recht warnten die mittelmäßigen Gruppen ihr Publikum: „Klatscht mal noch nicht, das Stück kann noch Scheiße werden!“ So war es denn auch.

Erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit das Publikum dennoch um Zugaben klatschte. Keiner wollte sich wohl das Versagen seiner Idole eingestehen; so herrschte die trotzige „Nun-erst-recht“-Pose vor, und das war gelegentlich etwas unkoordiniert. Schwer zu entscheiden, ob nun zustimmende oder ablehnende Pfiffe die Zugabe begrüßten.

Am besten paßten noch „A. R. & Machines“ in den langen Abend. Der simple „Meditations-Rock“ nach Art eines poppigen Orff-Schulwerkes vertrug sich gut mit dem unter Rauchschwaden dahindämmernden Publikum. Da fiel kaum auf, daß einer fragte, ob es nicht eigentlich eine Frechheit sei, mit solch einer Musik vor einem Massenpublikum aufzutreten.

Mindestens zwanzig Minuten dauerten die Umbaupausen zwischen den Auftritten der Gruppen. Gehorsam strebten dann die Pop-Fans ins Foyer zu Bockwurst, Pfefferminzschokolade und Coca-Cola, ebenso gehorsam ließen sie sich nach der Pause wieder auf dem kalten Steinfußboden in der unbestuhlten Halle nieder. Man konnte sich ausrechnen, wieviel Zehnmarkscheine bei einem ebensolchen Eintrittsgeld auf einem Quadratmeter Ernst-Merck-Hallen-Boden Platz hatten. Die Unbequemlichkeit forderte dennoch keinen Fan zu Protest heraus. Bequem zu sitzen ist wohl spießig …

Die Pop-Kultur scheint müde geworden: „Jesus-in“-Leute gingen als Plakatträger durch die Halle, verkündend „Ohne Jesu ist das Leben sinnlos“ und „Jesus in — Drugs out“. Die Mehrzahl der Musikfreunde aber suchte nach wie vor ihr Glück beim Joint. Der Haschleichen nahm sich das Deutsche Rote Kreuz fürsorglich an. Außer Sanitätern und Polizei hielten uniformierte Rocker die Ordnung aufrecht.

Des Anblicks müde und mit schmerzendem Hintern verließ der Rezensent vorzeitig die Halle. Kann sein, daß wenigstens „Family“ und „East of Eden“ zum Schluß noch gute Musik geboten haben. Heinrich Klaffs

Rock-Publikum 2009710018

„Drugs out, Jesus in“ beim „British-German Pop Meeting“ am 18.9.1971 in der
Hamburger Ernst-Merck-Halle – gehascht wurde trotzdem, bis der Arzt kam