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Planxty

Mittwoch, Januar 22nd, 1975

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 22.01.1975

Publikum bei Planxty temperamentvoll dabei

Planxty ist ein rätselhafter Name für eine irische Folkloregruppe. Ebenso rätselhaft wie die Anziehungskraft irischer Folklore auf die Hamburger Jugend. Es gibt hier – ein Stammpublikum von 1000 bis 2000 Iromanen, die bei jedem irischen Forklorekonzert in Hamburg dabei sind. So auch gestern abend in der Musikhalle bei Planxty. Die vier jungen Musiker boten die Volksmusik aus der Inselrepublik kunstvoll und lebendig. Da kommt kein noch so großer Muffel darum herum, im Takt mitzugehen und Hände und Füße zu rühren. Diese uralte Musik ist so frisch wie das grüne Gras auf Irlands Weiden heute und vor 100 Jahren. hk

The Dubliners 1972

Dienstag, Dezember 12th, 1972

Ein Stück Irland in der Musikhalle

Jeder Platz war besetzt, selbst auf dem Boden saßen die Gäste, viele in karierten Hemden, die Ärmel zünftig aufgekrempelt. Tabakschwaden zogen durch die Luft, und überall gluckerten die Bierflaschen. Hier und da trank man auch schärfere Sachen. Ort des Geschehens? Die Musikhalle gestern abend. Begeistert applaudierte dort Hamburgs Folklore-Gemeinde den Dubliners, Irlands populärster Folk-Gruppe, und gab sich teils irischer als die Iren. Von soviel Stimmung ließ sich das Quintett gern inspirieren. Vom derben Sauflied bis zum revolutionären Song, vom lieblichen Mandolinenstück bis zum KZ- Lied von den Moorsoldaten reichte der Bogen – Irish Folksong at its best! hk

Aus dem Hamburger Abendblatt vom 01.12.1972. Das Foto, für das ich kein Copyright habe, hat damals mein Kollege Gunnar Brumshagen gemacht.

Judy Collins & Tom Paxton 1971

Donnerstag, November 18th, 1971

Judy Collins 1711710027

Eins meiner Judy-Collins-Fotos von diesem Konzertabend

Und hier Tom Paxton:

Tom Paxton 1711710012

Der Konzertbericht aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 18.11.1971. Diesen Artikel zitiere ich mit der freundlichen Genehmigung des Autors, meines damaligen Kollegen Werner Sillescu, der für die Pop-, Jazz- und Rock-Musikberichterstattung im Abendblatt manche Lanze gebrochen hat

In schwarzem Samt kam die Romantik aus den USA

In ein schwarzes Samtgewand mit gestickten Blumenbordüren gehüllt, sang sie mit glockenreiner, süßer Stimme elegische Lieder zur Laute von Liebe und Leid, von Sternen und Blumen, von Tränen und Tod. Lieder, aus deren Melodik die „Winterreise“ von Schubert, aus deren Texten der frühe Rilke hervorblinzelte. Lieder, in denen die Welt schön und das Leben vom Gefühl bestimmt ist. Lieder, in denen Sehnsucht schwingt nach Stille und Frieden in einer lärmerfüllten und gewalttätigen Welt.

Es gelingt der Zauberin auf der Bühne der Musikhalle, die ihre Mitmusikanten höflich mit Miss und Mister vorstellt, dem Zuhörer zu entrücken, und zwar macht sie dies mit ihrer unwahrscheinlich schönen Stimme, die sanft und süß und virtuos gehandhabt unwirklich durch den Raum schwebt, das Gemüt berauschend, Schauer über die Haut jagend, manchmal herb metallisch gefärbt: „My lover is dead …“ Gefallen in Vietnam.

Ich weiß nicht, ob die jungen Leute, die in der Musikhalle die Prophetin der Poesie feierten, alle mit dieser Renaissance der Romantik vorbehaltlos einverstanden waren; immerhin hörte ich beim Hinausgehen auch die bissige Bemerkung: „Wie gut, daß Musik nicht dick macht . . .“

Ganz anders: Tom Paxton, der den ersten Teil des Abends bestritt. Auch bei ihm bestimmen großartige Stimme, volksliedhafte Melodik das Bild, aber seine Texte sind vielseitiger orientiert, seine Poesie ist realistisch, sein kritisches Engagement präzise artikuliert. Auch Tom Paxton begann mit einem elegischen Liebeslied, aber nach einigen unverbindlichen Songs wurde er bissig (Der Strafgefangene von Attica), kabarettistisch (American Way of Death), makaber komisch (marihuanarauchender Gl in Vietnam). Paxtons Musik macht ganz bestimmt nicht dick. sic