Posts Tagged ‘Jazz’

Count Basie

Freitag, Oktober 11th, 1974

Count Basie 1410740036

Count Basie 1410740008

Feinschmecker genossen Jazz
11.10.1974

Oscar Peterson, William „Count“ Basie und Joe Turner – drei Namen, drei überlebensgroße Jazzmusiker. Sie heimsten gestern abend im Congress Centrum reichlich Beifall für ihren Auftritt ein. Denn im Publikum saßen Feinschmecker, die wußten zu genießen.

Erst Oscar. Es ist immer wieder verblüffend, wie virtuos und elegant dieser ungelenke, schwere Mann mit dem Flügel Zwiesprache hält. Diesmal offenbarte er einen neuen sympathischen Zug: Als Count Basie ihn auf ein paar Stücke begleitete, war Oscar richtig fröhlich. Sympathisch waren auch die anderen Musiker.

Bescheiden, Immer schmunzelnd, ohne jede überflüssige Bewegung (abgesehen vom Lächeln für die Fotografen) saß Count Basie am Flügel, und Joe Turner, diesen fossilen Blues-Sänger, hätte das Publikum am liebsten dabehalten. hk

Dave Brubeck Quartet 1972

Samstag, November 11th, 1972

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 06.11.1972

Modern Jazz in Starbesetzung

Als sie den Oldtime-Hit „Take Five“ spielten, ging Jubel durch die Reihen. Auch sonst mußten Dave Brubeck, Gerry Mulligan und Paul Desmond, die mit der Dave Brubeck Group gestern abend in der Musikhalle gastierten, immer wieder für stürmischen Beifall danken. Kein Wunder: Was die drei Musiker des Modern Jazz da aufspielten, war noch kein bißchen angestaubt. Brubeck und Co. brachten selbst ältere Stücke, als wären sie funkelnagelneu, swingend und überhaupt nicht fußlahm.

Benny Goodman 1972

Montag, März 13th, 1972

Benny Goodman 1203720006

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 13.03.1972

Der „King“ ist ruhiger geworden

Aus dem „King of Swing“ ist ein würdiger alter Herr geworden, mit dem kürzeren Atem, aber auch dem Charme des Alters. Und wenn Sonnabend in der ausverkauften Musikhalle Benny Goodman sein Publikum nicht zum Toben brachte wie einst in der legendären Carnegie Hall – die Fans genossen dennoch diese Musik eines Genießers, der leise, aber immer noch voller Swing, den feinsten Nuancen seiner „old favorites“ nachging.

Wie ihr Publikum ist auch die Musik des Klarinettenvirtuosen Goodman aus den Röhrenhosen von 1938 in den Smoking gewachsen. Was man vorzieht, ist Geschmacksache oder ein Generationsproblem. hk

Roland Kirk 1972

Montag, März 6th, 1972

Virtuoser Jazz

Hamburger Abendblatt vom 06.03.1972

Den auf 45 Instrumenten virtuosen Musiker Rahsaan Roland Kirk einer der Richtungen des modernen Jazz zuzuordnen, dürfte schwerfallen. Er ist tatsächlich „eine Kategorie für sich“, wie man bei einem Konzert des blinden Musikers und seiner „Vibration Society“ im Hamburger Funkhaus erleben konnte. „Ich höre Sirenen und alles mögliche in meinem Kopf, wenn ich spiele“, sagt Kirk. Er hat die Gabe, diese Inspirationen adäquat an das Publikum weiterzugeben. Rock ’n‘ Roll, Blues oder Lieder der Folklore, zornige Phrasierungen im Stil Coltranes oder Pop – auf bis zu drei Instrumenten gleichzeitig spielt Kirk das alles, ohne je in die Untiefen bloßer zirzensischer Show zu geraten. Das Publikum reagierte dankbar auf diese Kunst ohne Krampf. hk

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weiter Bilder durch Klick auf das Foto:

Roland Kirk 0303720067

Oscar Peterson 1971

Freitag, November 5th, 1971

Oscar Peterson 0311710002

Aus der „Welt“ vom 5.11.1971

Manischer Solist: Oscar Peterson

Oscar Peterson ist unbestritten Superstar unter den Jazzpianisten. Aber seine Virtuosität mit den Fingern hat den Mann in eine Sackgasse geführt.

Petersons Muik ist intim geworden. Träumereien am Kamin, die nur noch seine alten Verehrer interessieren – die Jugend langweilt sich. Ganz gleich, wie die Titel heißen, die der Kanadier spielt – das ist immer nur Peterson und sonst gar nichts.

So war es auch am Mittwoch abend im gutbesuchten Audimax. So versessen frönte Peterson dem solipsistischen Spiel, dass er seine Partner im neuen Trio, Louis Hayes am Schlagzeug und Nils Henning Oerstedt-Pederson am Baß, immer mehr an die Wand drückte. Peterson als manischer Solist.

Neue Hörer wird er auf diese Weise nicht gewinnen. Wo andere Musiker des modernen Jazz an Popularität gewinnen, je mehr ihre Musik von dieser Welt ist, wird Peterson zum Hofmusikanten nostalgischer Mittvierziger. Kl.

Yusef Lateef

Freitag, Oktober 22nd, 1971

Yusef Lateef 2110710011

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 22.10.1971

Selten gab es so guten Jazz

Mit einem Gastspiel im Jazz-House“ an der Brandstwiete ließ gestern abend das Quartett des amerikanischen Musikers und Komponisten Yusef Lateef vergessen, daß Hamburg als Jazz-Stadt lange Zeit zur musikalischen Provinz gehörte.

Als Jazz-Musiker will sich Lateef nicht bezeichnen lassen. „Jazz ist eine vieldeutige und nichtssagende Bezeichnung. Man nennt ein Bild von Picasso, wenn es ‚Stierkampf‘ heißt, auch nicht ‚Hundekampf‘. Ich mache ‚autophysio-psychische Musik‘ – damit will ich sagen, daß meine Musik autonom ist und daß ich den Körper so gut wie die Psyche zum Musizieren einsetzen muß.“

Wie man die Musik auch definiert – so leidenschaftlich und mitreißend, ohne dabei dick aufzutragen, hat in Hamburg lange keiner gespielt.