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Bob Dylan, Joan Baez, Santana im Millerntor-Stadion

Freitag, Juni 1st, 1984

Bob Dylan, Santana, Joan Baez 3105840115

Mein Konzertbericht aus dem Hamburger Abendblatt vom 1.6.1984

15 000 Fans im Stadion jubelten – die Legende Dylan ist lebendig

Joan Baez war sichtlich gerührt Sie zerquetschte eine Träne im Augenwinkel, als sie gemeinsam mit Carlos Santana zu Bob Dylan auf die Bühne trat und mit dem alten Freund, von Carlos Santana furios begleitet, „Blowin‘ in the Wind“ sang. Immerhin lebt sie seit 20 Jahren von ihm getrennt und hat Bob Dylan seit zwei Jahren überhaupt nicht mehr gesehen. Auch der harte Kern der 15 000 Fans am Rand der Bühne im St.-Pauli-Stadion schwappte schier über vor Vergnügen. Kein Wunder. Das Lied ist mehr als 20 Jahre alt, aber es klang so frisch, als wäre es von heute.

Hamburgs Kultursenatorin Helga Schuchardt hatte nichts davon. Sie war mit den besten Erwartungen zu dem Open-Air-Konzert gekommen, hauptsächlich wegen Joan Baez, mußte aber schon um 17 Uhr, gerade als Joan Baez auftrat, wieder weg, zur Nijinsky-Gala in der Staatsoper.

Das Pop-Festival mit der Alex-Conti- Band aus Hamburg, Carlos Santana & Co., Joan Baez und Bob Dylan plus Band wäre fast ins Wasser gefallen. Bei Santanas Auftritt tanzten die Fans noch im schwülen Sonnenschein, aber dann fing es an zu gießen. Das Stadion wurde ungemütlich: Lauter kleine Pfützen auf den Planen, mit denen der kostbare Fußballrasen abgedeckt war. Die Telefon- Nummer des Wetterdienstes am Veranstalter-Wohnwagen half da nichts.

Der sympathisch-bescheidene Carlos Santana mit dem Feuerwerker Armando Peraza an den Bongos trumpfte – die Sonne im Rücken – kräftig auf. Seine Musik ist seit 1967, als er anfing, nicht schlaffer geworden. Dann Joan Baez, erst solo, bald gemeinsam mit Santana, der sie mit der Gitarre noch mehr anfeuerte. Sie sang nicht nur die Klassiker „Me and Bobby McGhee“ und „We Shall Overcome“, sondern auch drei deutsche Lieder: „Sind so klein die Hände“ von Bettina Wegener, „Wenn unsere Brüder kommen“ von Konstantin Wecker und „Wozu sind Kriege da?“ von Udo Lindenberg. Denn im Gegensatz zu Bob Dylan will Joan Baez stets auch Politik machen, wenn sie singt.

Kurz bevor der gut einstündige Auftritt von Joan Baez und Santana zu Ende ging, stellte sich Bob Dylan im St. Pauli-Clubhaus vor. Er verhielt sich für seine Verhältnisse ganz normal: Tat so müde (er war erst mittags aus Italien eingeflogen und hatte die Nacht nicht geschlafen) und gelangweilt von den Fragern und den Fragen, daß er fast vom Stuhl gefallen wäre. Wie sagte doch Joan Baez, als sie in die peinliche Szene trat? „Ich habe nie versucht, Bob zu verstehen.“ In der Tat ist von Dylan auf eine direkte Frage kaum eine direkte Antwort zu erhalten, er spielt absurdes Theater, wenn er nicht gerade auf der Bühne steht.

Der 43jährige „Joker Man“ erklärte immerhin, warum er immer noch die alten Lieder singe und was er damit sagen wolle: Erstens aktualisiere er die Texte dauernd, und was er sagen wolle, stehe in diesen Texten drin. Was mit dem Anschluß an die nächste Zuhörer- Generation sei? Wieso, antwortete Dylan: „Es gibt doch eine Menge Leute in unserem Alter.“ Als er auftrat, war er auf einmal wieder frisch. Auch die 18jährigen im Publikum jubelten: Die Legende Dylan ist lebendig.
HEINRICH KLAFFS

Bob Dylan & Santana in Verona

Mittwoch, Mai 30th, 1984

Bob Dylan, Santana 2905840040

Mein Artikel im „Hamburger Abendblatt“ vom 30.05.1984

Bob Dylan macht sich für Hamburg warm

Seine meisten Klassiker schrieb Bob Dylan in den 60er und den frühen 70er Jahren: „Blowin in the Wind“, „Mr. Tambourine Man“, „Just Like A Woman“, „Like A Rolling Stone“, „Mighty Quinn“, „All Along the Watchtower“, „Lay Lady Lay“. Sie sind lebendig geblieben. Dylan selbst und andere Interpreten singen diese Lieder seitdem immer wieder – und jedesmal kllngen sie wieder anders, manchmal so anders, daß es die große Stammgemeinde der Dylan-Fans verschreckt. „Man hört nicht zweimal denselben Bob Dylan“, schrieb einst ein Kritiker.

Joan Baez, Bob Dylan, Carlos Santana – diese Namen klingen vielen heute Dreißig- und Vierzigjährigen immer noch wie Musik in den Ohren: Der eiserne Schmetterling der Folklore-Bewegung, der geniale Dichterfürst des Rock & Roll und der überschwengliche Latin-Rocker. Morgen, am Himmelfahrtsttag, werden die drei beim Hamburger Open-Air- Festival im St.-Pauli-Stadion am Millerntor auftreten.

Das Hamburger Abendblatt besuchte vorab die Tournee-Premiere von Bob Dylan (43) und Carlos Santana (36) im altrömischen Amphitheater der italienischen Provinzhauptstadt Verona (Norditalien). Joan Baez (43) war dort noch nicht dabei – sie macht erst in Hamburg gemeinsame Sache mit den beiden anderen. Während Dylan und Santana an zwei Konzertabenden in der ausverkauften Arena von Verona 40 000 Fans begeisterten, brachte Joan Baez bei einem Solokonzert in Mailand 15 000 Fans aus dem Häuschen.

Nostalgie? Ein Gewitterregen zu Konzerbeginn wusch die Luft, und in der grandiosen Kullsse des 1600 Jahre alten Amphitheaters ist ohnehin kein Platz für so ein neumodisches Wort. Ja, das Publlkum jubelte und ließ die Feuerzeuge funkeln, wenn es Dylans alte Lieder wiedererkannte. Doch in seinem Gesang war keine Spur rückwärts gewandter Wehmut.

Dylans überragender Lead-Gitarrist Mick Taylor (ehemals Mitglied der „Rolling Stones“) und die anderen Mitglleder seiner Band legten einen fliegenden Teppich aus purem Rock ’n‘ Roll unter alte und neuere Songs – da ging die Post ab. Die paar Webfehler im Zusammenspiel der frisch vereinten Band fielen wenigen auf.

„The Times They Are A-Changing“ (Die Zeiten ändern sich) sang Dylan einst trotzig den Vätern ins Ohr. Aber er besinnt sich selbst immer wieder auf die alten Zeiten, greift zwischendurch zur akustischen Gitarre und zur Mundharmonika und stößt mit alter rauher Schärfe seine klassischen Protestsongs ins Publlkum; selbst das gute alte „Blowin‘ in the Wind“ sang er in Verona wieder.

Das Hamburger Festival wird von dem Gitarristen Alex Conti mit Band eröffnet, dann treten nacheinander Joan Baez, Santana und Dylan auf. Am Schluß soll es eine Session der drei geben. Festival-Dauer von 14 bis 22 Uhr, Einlaß ab 12 Uhr, Eintrittspreis an der Tageskasse 43 Mark. HEINRICH KLAFFS

Joan Baez 1973

Donnerstag, November 29th, 1973

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 29.11.1973:

Vor dreihundert Jahren wäre Joan Baez sicherlich als Hexe verbrannt worden: so bezaubernd ist diese unorthodoxe Frau, die für die Freiheit der Unterdrückten genauso singt wie für die Freiheit der Liebe – und die freie Liebe. Ihre große Faszinationskraft bewies die Muse des Protestsongs gestern abend im vollbesetzten großen Saal des CCH. Wer am Anfang noch raunte: „Ist doch alles Show“, der verstummte bald. Joan Baez schlug sie alle in den Bann. hk

Eins meiner Fotos aus diesem Konzert. Mehr davon durch Klick auf das Bild bei flickr.com

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Mikis Theodorakis

Freitag, April 27th, 1973

Suggestive Lieder

Zum dritten Mal dirigierte und sang Mikis Theodorakis gestern abend in Hamburg seine Lieder: Pathetische Beschwörung eines freien Griechenland Man muß kein Wort Griechisch können, um Theodorakis zu verstehen. Die beste Sprache dieses Mannes ist seine Musik. Ebenso wie seine Art zu dirigieren eine tänzerische Quintessenz all seiner Kompositionen ist, hat er es verstanden, seine politische Aussage ganz in den Gestus seiner Musik zu fassen. Den trotzigen Aufruf zum Widerstand gegen das Athener Regime ebenso wie den Aufruf zur Selbstbehauptung trotz Kerkerelends, wie er es selbst erlitt. Kein Wunder, daß die griechischen Obristen einen freien Theodorakis nur im Ausland dulden mochten. Dabei sind Theodorakis‘ Lieder niemals aggressiv. Aber ihrer Suggestion kann sich keiner entziehen. Die rhythmische Folklore löste schon gestern in der Musikhalle einen Beifallssturm ohnegleichen aus. Lethargische Untertanen fand man in diesem Publikum nicht. Wie gefährlich muß diese Musik erst für Diktatoren sein: Wie eine Lunte am Pulverfaß. Kla.

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 27.4.1973

Hier eins meiner Fotos auf flickr.com. Weitere durch Klick auf das Bild:

Mikis Theodorakis in der Musikhalle Hamburg (heute Laeisz-Halle)

West, Bruce & Laing 1973

Montag, April 16th, 1973

Der explosive Rock der Spät-Twens

(Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 16.04.1973)

Wenn Rockfans höchstes Lob aussprechen, sagen sie: „Das geht ganz unheimlich los!“ Die Musik von Jack Bruce, Leslie West und Corky Laing, die als „Bruce, West & Laing“ ausgezogen sind, harten Rock zu spielen, ging ganz unheimlich los. Die drei spielten gestern in der ausverkauften Musikhalle zwar fast nur alte bis uralte Titel von Chuck Berrys „Roll over Beethoven“ bis zu „Politician“ und „Sunshine of Your Love“ von der legendären Supergruppe „Cream“. Aber die Machart dieser Musik ließ einem gar keine Zeit, an die gute alte Zeit des Heavy Rock zu denken. Viel zu frisch, viel zu spannend und viel zu explosiv klang das, was diese Spät-Twens da machten. Das sonst oft so muffelige Hamburger Pop-Publikum ließ sich denn auch nicht lumpen und gab enormen Beifall. hk

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere meiner Bilder von flickr.com durch Klick auf das Foto.

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Led Zeppelin 1973

Donnerstag, März 22nd, 1973

Mein Konzertbericht aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 22.3.1973

Selbst viele Fans flohen vor dem Lärm

„Wir wollen den Fans ordentlich einheizen“, hat Gitarrist Jimmy Page von der Rockgruppe Led Zeppelin vor der Deutschland-Tournee gesagt, die das gut verdienende Quartett gestern nach Hamburg führte.
Die Musikhalle war restlos ausverkauft – der Name Led Zeppelin hat trotz abschlaffender Pop-Welle nicht an Anziehungskraft verloren. Aber gegen Schluß des Konzerts verließen viele Fans vorzeitig den Saal. Denn von der Musik der Gruppe war nicht viel zu hören.
Zwischtöne gingen unter im ohrenbetäubenden Lärm. Die Phonstärke der Led-Zeppelin-Musik hätte für ein 20 000 Mann fassendes Stadion gereicht – in der relativ kleinen Musikhalle lag der Schallpegel bei den meisten Stücken weit über der Schmerzgrenze.
Dennoch dankte das jugendliche Publikum für jedes Stück mit viel Beifall. Freudiger Applaus begrüßte schon die ersten Takte jedes Led- Zeppelin-Hits. Schließlich kannten die meisten, die sich da manchmal die Ohren zuhielten, den wahren Klang dieser Musik wenigstens von Platten. hk

Hier eins meiner Fotos auf Flickr.com – weitere Fotos bei Klick auf das Bild.

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Robert Plant in Action

James Brown 1973

Montag, Februar 19th, 1973

Mein Konzertbericht aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 19.2.1973:

Seine „Botschaft“ elektrisierte die 3000 Fans

„Soul Brother Number One“ James Brown sang gestern abend in der Musikhalle. Und in zwei Konzerten hörten mehr als 3000 schwarze und weiße Fans die „Botschaft“ des farbigen Sängers, der mit dem Hit „Sex-Machine“ weltberühmt wurde.
Nachdem seine elfköpfige Begleitband mit viel schmetterndem Blech für die nötige Basistemperatur in der Musikhalle gesorgt hatte, erschien endlich der Meister selbst auf der Bühne. Im Bund mit Soul-„Sister“ Lynn Collins sorgte er bis zur Pause dafür, daß die Rhythmus-Maschine vollends auf Touren kam. Erst in der’zweiten Hälfte des Konzerts legte er richtig los. Da erst explodierte „Mister Dynamit“.
Differenzierten musikalischen- Klang hat er nicht zu bieten. Aber wie er sang und schrie, wie er tanzte im zukkenden Blitzlicht, wie er auf der Bühne herumsprang und ganz Vitalität und kein bißchen „Kunst“ war, elektrisierte er sein Publikum. Im frenetischen Schlußakt reckten sich überall dunkle Fäuste zum Black-Power-Gruß, tanzten zwischen und auf den Plätzen entfesselte Gestalten, war der Sänger Über-Derwisch unter lauter Derwischen. hk

Hier eins meiner Fotos aus dem Konzert. Weitere Bilder durch Klick auf das Bild.

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Rory Gallagher

Montag, Januar 15th, 1973

Sie feierten ihn bis in die tiefe Nacht

15.01.1973

Ein Jahr nach seinem letzten Konzert In Hamburg kam Rory Gallagher, der „weltbeste Gitarrist der Popmusik“, wieder nach Hamburg, und die 2000 Fans in der ausverkauften Musikhalle feierten ihn wie einen verlorenen Sohn. Bis halb zwölf steigerte sich die Begeisterung noch, dann hatte das Publikum Musik „satt“, und Rory konnte wohl auch nicht mehr. Der Anti-Star der Popmusik spielte auch diesmal Blues, Blues und noch einmal Blues. Aber wie er ihn spielt, das ist das Geheimnis seines dauernden Erfolgs: in Gallaghers Musik ist keine Leerstelle, kein tauber Fleck. Wenn er auf der Bühne steht, bleibt weder sein Hemd noch ein Auge trocken.

Das ist der Wortlaut meines Artikels im „Hamburger Abendblatt“ vom 15.1.1973

Hier ein Foto von Rorys Konzerten (1971 und 1973) in der Hamburger Musikhalle:

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Weitere Bilder findet ihr, wenn ihr auf das Foto klickt.

Chuck Berry 1973

Freitag, Januar 5th, 1973

Chuck wieder auf der Erfolgswelle

Der „Entengang“ ist sein Markenzeichen – heute noch wie vor 20 Jahren. Und Chuck Berry, der schwarze Sänger und Gitarrist, gilt neben seinem wilderen „Bruder“ Little Richard immer noch als der heimliche König des Rock ’n‘ Roll. Mit seinen Hits „Roll over Beethoven“, „Sweet little Sixteen“ und „Jonny B. Goode“ verdienten sich einst Rolling Stones und Beatles, deren Idol Chuck war, die ersten musikalischen Sporen. Nachdem es vor übergehend ruhig um ihn geworden war, kam der 42jährige Chuck mit dem Hit „My Ding-a-ling“ jetzt wieder ganz groß heraus – und diese Erfolgswelle trägt ihn auch nach Hamburg. Am 31. Januar gibt Chuck Berry um 18 und 20 Uhr Konzerte in der Musikhalle. hk

(Hamburger Abendblatt vom 5.1.1973)

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere Bilder durch Klick auf das Foto.

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Alexis Korner & Snape

Samstag, November 25th, 1972

Und zum Schluß wackelten die Stühle

Wenn Alexis Korner eine Gitarre in die Hand nimmt und den Mund aufmacht, kommt Blues raus. Und damit steckt der „Vater des weißen Blues“ jeden an, der in seine Nähe kommt – Zuhörer ebenso wie Musiker. So war es auch Freitag abend in der Musikhalle. Alexis stellte wieder einmal eine neue Band vor: „Snape“. Gemeinsam mit seinem Freund Peter Thorup, der seit drei Jahren mit Korner durch die Lande zieht, hat der Meister für „Snape“ noch fünf andere Musiker aus Gruppen wie „King Crimson“ und „Airforce“ zusammengeholt. Und als hätten sie niemals etwas anderes getan, als zusammen den Blues gespielt, zogen die sieben ihre Session auf. Das begann fast wie ein gemütlicher Gedankenaustausch nach Noten. Aber bald kam mehr Dampf in das Spiel – und zum Schluß wackelten in der Musikhalle die Stühle. hk

Hamburger Abendblatt vom 25.11.1972

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere Bilder auf Flickr.com mit Klick auf das Bild

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