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Slade 1972

Donnerstag, Oktober 26th, 1972

In der Musikhalle war Krach erwünscht
26.10.1972

Entfesselten Musikzirkus boten gestern abend in der gut besuchten Musikhalle die „Slade“, harte Rocker im Clownskostüm. Nach dem Motto „Schrei was du kannst‘, rissen sie ihre Fans in ekstatische Begeisterung. Wer gekommen war, um Musik zu hören, war bei den „Slade“ an der falschen Adresse. Sie machten Lärm bis hart an die Schmerzgrenze: genau das Richtige für das jugendliche Publikum. Hier sagte keiner: „Sitz grade und sei ruhig.“ Sänger Noddy Holder und Gitarrist Dave Hill (unser Bild von links) munterten die Fans auf, zu klatschen, zu trampeln und zu schreien: so, wie sie es auf der Bühne vorexerzierten. Im Vorprogramm bot die weibliche Rock-Band „Fanny“ soliden Blues und Rock. hk

Hier zwei Fotos aus dem Konzert. Mehr durch Klick auf die Bilder.

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Nur Vorgruppe: Fanny

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American Folk Blues Festival 1972

Mittwoch, März 15th, 1972

Beifall für den Blues

Als gestern abend in der Musikhalle von seinen über 60 Jahre alten Repräsentanten „American Folk Blues“ gesungen wurde, da bestand das Publikum hauptsächlich aus der Generation derer, die angeblich „keinem über 30 trauen“. So faszinierend ist immer noch der Blues.
Ob Big Joe Williams mit harter Greisenstimme so authentisch zur Gitarre sang, als träte er in einem Ballsaal dea Mississippidelta vor 60 Jahren auf, oder ob T-Bone Walker seinen elektronisch verbrämten Blues, Memphis Slim seinen Boogie vortrug: Wenn sie vom morgendlichen Brummschädel, von Liebeskummer oder den Freuden der Liebe sangen, dann klatschten alle Zuhörer den Rhythmus mit. hk

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 15.3.1972

Hier ein Foto von T-Bone Walker: Mehr Fotos durch Klick auf das Bild.

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José Feliciano 1972

Montag, März 6th, 1972

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Viele Fans kamen vergeblich

Hamburger Abendblatt vom 06.03.1972

Noch lange nach Konzertbeginn warteten gestern im Foyer der Musikhalle Verehrer, die beim Kartenverkauf leer ausgegangen waren, auf Einlaß, als Jose Feliciano sein Gastspiel in Hamburg gab. Feliciano, der sich aus den Slums von New York in die Konzertsäle der Welt gesungen hat, sagt: „Meine Lieder sind nicht politisch, sie vermitteln Gefühle.“

Sentimental ist die Musik des blinden puertoricanischen Sängers dennoch nicht. Mit seiner Mischung aus Soul- und Bossa-Nova- Sound, seiner harten, leidenschaftlichen Stimme, brachte er das Publikum vom ersten Lied an auf seine Seite. Nicht nur für seine Schlager „Light my Fire“ und „Che sera“ gab es Vorapplaus – der Beifall galt den Liedern und dem Sänger. hk

Roland Kirk 1972

Montag, März 6th, 1972

Virtuoser Jazz

Hamburger Abendblatt vom 06.03.1972

Den auf 45 Instrumenten virtuosen Musiker Rahsaan Roland Kirk einer der Richtungen des modernen Jazz zuzuordnen, dürfte schwerfallen. Er ist tatsächlich „eine Kategorie für sich“, wie man bei einem Konzert des blinden Musikers und seiner „Vibration Society“ im Hamburger Funkhaus erleben konnte. „Ich höre Sirenen und alles mögliche in meinem Kopf, wenn ich spiele“, sagt Kirk. Er hat die Gabe, diese Inspirationen adäquat an das Publikum weiterzugeben. Rock ’n‘ Roll, Blues oder Lieder der Folklore, zornige Phrasierungen im Stil Coltranes oder Pop – auf bis zu drei Instrumenten gleichzeitig spielt Kirk das alles, ohne je in die Untiefen bloßer zirzensischer Show zu geraten. Das Publikum reagierte dankbar auf diese Kunst ohne Krampf. hk

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weiter Bilder durch Klick auf das Foto:

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Uriah Heep 1971

Mittwoch, September 22nd, 1971

Hier ein Foto. Mehr davon mit Klick auf das Bild bei Flickr.com

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Mein Kurzbericht über das Konzert vom 21.9.1971 im „Hamburger Abendblatt“:

Die „Uriah Heep“ begeisterten

„Gipsy“, wohl der bekannteste Hit der Uriah Heep, begeisterte unter anderem gestern abend die Zuhörer in der ausverkauften Musikhalle. Die englische
Gruppe, die seit knapp zwei Jahren auf internationalen Bühnen gastiert, bot alle Varianten des harten, progressiven Sounds.
Drei Langspielplatten sowie drei Singles sind bisher von den fünf Londoner Musikern auf dem Markt, für 1972 ist die Aufnahme von zwei weiteren Platten geplant. Im Vorprogramm spielte die englische Beat-Gruppe „Paladin“.

Hier ein längerer Bericht aus der Hamburger Tageszeitung „Die Welt“ vom 23.9.1971:

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Schwarze Rock-Messe in der Musikhalle

Die Pop-Musik hat sich selbst eingeholt. Eigentlich „progressiv“ sind noch wenige Gruppen und Musiker. Ihre Namen flüstern sich Kenner unter der Hand zu. Der Name „Uriah Heep“ ist nicht darunter.

Warum sollte er auch? Mögen die „Uriah Heep“ auch kein Geheimtip sein, ihr Publikum finden sie allemal. Die Fans waren am Dienstag in die ausverkaufte Musikhalle gekommen, um guten, soliden „Heavy-Rock“ zu hören. Sie wurden nicht entäuscht.

Das Konzert war ein Paradebeispiel für die Unterschiede auch zwischen solchen Gruppen, die einen eigenen Stil kaum noch erfinden, sondern sich eher aufs Zitieren verlegen. So begann „Paladin“, ebenfalls aus Großbritannien stammende Vorgruppe zu „Uriah Heep“, mit einem furiosen Stück über über afro-kubanischem Rhythmus und spielte unter anderem dann nach verschiedenen weiteren exotischen Zwischenstationen einen „Irish Reel“.

Daß hier andere als die traditionellen rhythmischen Muster des Pop adaptiert werden, ist legitim. Daß das Publikum jedoch zum Schluß der Show um alles in der Welt nicht dazu zu bewegen war, mitzuklatschen oder gar zu tanzen, läßt auf Mängel in der Durchführung schließen. Die „Paladine“ hatten sich im Zitieren verzettelt und darüber die eigene Rede vergessen.

Ganz anders „Uriah Heep. Bereits nach zwei nur zögernd aufgenommenen Stücken durchbrachen sie die Reserve des spröden Hamburger Publikums mit einem virtuosen Solo des Lead-Gitarristen Mick Box.

Von den liedhaften Formen am Anfang steigerten sich die fünf Protagonisten des Hard-Rock in immer ausschweifendere musikalische Ekstasen, bis ihnen dass Schlußstück nahezu zur schwarzen Rock-Messe gedieh. Während zweier Zugaben sangen und klatschten die Anfangs so reservierten Fans begeistert mit: was in Hamburg selten ist, war den „Uriah Heep“ gelungen. Sie konnten mit dem Gefühl von der Bühne gehen, nicht einfach nur konsumiert worden zu sein wie zahllose Gruppen vorher. Heinrich Klaffs