Posts Tagged ‘Mikis Theodorakis’

Mikis Theodorakis

Freitag, April 27th, 1973

Suggestive Lieder

Zum dritten Mal dirigierte und sang Mikis Theodorakis gestern abend in Hamburg seine Lieder: Pathetische Beschwörung eines freien Griechenland Man muß kein Wort Griechisch können, um Theodorakis zu verstehen. Die beste Sprache dieses Mannes ist seine Musik. Ebenso wie seine Art zu dirigieren eine tänzerische Quintessenz all seiner Kompositionen ist, hat er es verstanden, seine politische Aussage ganz in den Gestus seiner Musik zu fassen. Den trotzigen Aufruf zum Widerstand gegen das Athener Regime ebenso wie den Aufruf zur Selbstbehauptung trotz Kerkerelends, wie er es selbst erlitt. Kein Wunder, daß die griechischen Obristen einen freien Theodorakis nur im Ausland dulden mochten. Dabei sind Theodorakis‘ Lieder niemals aggressiv. Aber ihrer Suggestion kann sich keiner entziehen. Die rhythmische Folklore löste schon gestern in der Musikhalle einen Beifallssturm ohnegleichen aus. Lethargische Untertanen fand man in diesem Publikum nicht. Wie gefährlich muß diese Musik erst für Diktatoren sein: Wie eine Lunte am Pulverfaß. Kla.

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 27.4.1973

Hier eins meiner Fotos auf flickr.com. Weitere durch Klick auf das Bild:

Mikis Theodorakis in der Musikhalle Hamburg (heute Laeisz-Halle)

Mikis Theodorakis 1972

Mittwoch, Februar 2nd, 1972

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 2.2.1972

Folklore der Freiheit

Als der griechische Komponist und Poet Mikis Theodorakis gestern in der vollbesetzten Musikhalle eigene Lieder dirigierte, geriet das Konzert nach der Pause zu einer spontanen Demonstration der In großer Zahl anwesenden Griechen. Für sie ist Theodorakis zu einem Symbol des Widerstands gegen die Diktatur in Griechenland geworden, seine Musik ist die Folklore der Freiheitsbewegung.

„Diese Hymnen verursachen politische Leidenschaft“, heißt es in einem Urteil der Militärjunta aus dem Jahr 1967. Und das stimmt. Denn auch wer der griechischen Sprache nicht mächtig war und wem die vor jedem Lied verlesenen Übersetzungen zu trocken erschienen, konnte sich dem mitreißenden Elan von Theodorakis‘ Kompositionen nicht entziehen. hk