Posts Tagged ‘Musikhalle’

James Brown 1973

Montag, Februar 19th, 1973

Mein Konzertbericht aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 19.2.1973:

Seine „Botschaft“ elektrisierte die 3000 Fans

„Soul Brother Number One“ James Brown sang gestern abend in der Musikhalle. Und in zwei Konzerten hörten mehr als 3000 schwarze und weiße Fans die „Botschaft“ des farbigen Sängers, der mit dem Hit „Sex-Machine“ weltberühmt wurde.
Nachdem seine elfköpfige Begleitband mit viel schmetterndem Blech für die nötige Basistemperatur in der Musikhalle gesorgt hatte, erschien endlich der Meister selbst auf der Bühne. Im Bund mit Soul-„Sister“ Lynn Collins sorgte er bis zur Pause dafür, daß die Rhythmus-Maschine vollends auf Touren kam. Erst in der’zweiten Hälfte des Konzerts legte er richtig los. Da erst explodierte „Mister Dynamit“.
Differenzierten musikalischen- Klang hat er nicht zu bieten. Aber wie er sang und schrie, wie er tanzte im zukkenden Blitzlicht, wie er auf der Bühne herumsprang und ganz Vitalität und kein bißchen „Kunst“ war, elektrisierte er sein Publikum. Im frenetischen Schlußakt reckten sich überall dunkle Fäuste zum Black-Power-Gruß, tanzten zwischen und auf den Plätzen entfesselte Gestalten, war der Sänger Über-Derwisch unter lauter Derwischen. hk

Hier eins meiner Fotos aus dem Konzert. Weitere Bilder durch Klick auf das Bild.

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Rory Gallagher

Montag, Januar 15th, 1973

Sie feierten ihn bis in die tiefe Nacht

15.01.1973

Ein Jahr nach seinem letzten Konzert In Hamburg kam Rory Gallagher, der „weltbeste Gitarrist der Popmusik“, wieder nach Hamburg, und die 2000 Fans in der ausverkauften Musikhalle feierten ihn wie einen verlorenen Sohn. Bis halb zwölf steigerte sich die Begeisterung noch, dann hatte das Publikum Musik „satt“, und Rory konnte wohl auch nicht mehr. Der Anti-Star der Popmusik spielte auch diesmal Blues, Blues und noch einmal Blues. Aber wie er ihn spielt, das ist das Geheimnis seines dauernden Erfolgs: in Gallaghers Musik ist keine Leerstelle, kein tauber Fleck. Wenn er auf der Bühne steht, bleibt weder sein Hemd noch ein Auge trocken.

Das ist der Wortlaut meines Artikels im „Hamburger Abendblatt“ vom 15.1.1973

Hier ein Foto von Rorys Konzerten (1971 und 1973) in der Hamburger Musikhalle:

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Weitere Bilder findet ihr, wenn ihr auf das Foto klickt.

Chuck Berry 1973

Freitag, Januar 5th, 1973

Chuck wieder auf der Erfolgswelle

Der „Entengang“ ist sein Markenzeichen – heute noch wie vor 20 Jahren. Und Chuck Berry, der schwarze Sänger und Gitarrist, gilt neben seinem wilderen „Bruder“ Little Richard immer noch als der heimliche König des Rock ’n‘ Roll. Mit seinen Hits „Roll over Beethoven“, „Sweet little Sixteen“ und „Jonny B. Goode“ verdienten sich einst Rolling Stones und Beatles, deren Idol Chuck war, die ersten musikalischen Sporen. Nachdem es vor übergehend ruhig um ihn geworden war, kam der 42jährige Chuck mit dem Hit „My Ding-a-ling“ jetzt wieder ganz groß heraus – und diese Erfolgswelle trägt ihn auch nach Hamburg. Am 31. Januar gibt Chuck Berry um 18 und 20 Uhr Konzerte in der Musikhalle. hk

(Hamburger Abendblatt vom 5.1.1973)

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere Bilder durch Klick auf das Foto.

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The Dubliners 1972

Dienstag, Dezember 12th, 1972

Ein Stück Irland in der Musikhalle

Jeder Platz war besetzt, selbst auf dem Boden saßen die Gäste, viele in karierten Hemden, die Ärmel zünftig aufgekrempelt. Tabakschwaden zogen durch die Luft, und überall gluckerten die Bierflaschen. Hier und da trank man auch schärfere Sachen. Ort des Geschehens? Die Musikhalle gestern abend. Begeistert applaudierte dort Hamburgs Folklore-Gemeinde den Dubliners, Irlands populärster Folk-Gruppe, und gab sich teils irischer als die Iren. Von soviel Stimmung ließ sich das Quintett gern inspirieren. Vom derben Sauflied bis zum revolutionären Song, vom lieblichen Mandolinenstück bis zum KZ- Lied von den Moorsoldaten reichte der Bogen – Irish Folksong at its best! hk

Aus dem Hamburger Abendblatt vom 01.12.1972. Das Foto, für das ich kein Copyright habe, hat damals mein Kollege Gunnar Brumshagen gemacht.

Lonnie Donegan

Donnerstag, Dezember 7th, 1972

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 07.12.1972

Donegan hat nichts von seinem Pep verloren

Pop ist „out“ – es lebe Lonnie Donegan. Mit „Rock Island Line“ placierte er 1955 seinen ersten großen Renner in der englischen Hitparade. Mit „Rock Island Line“ zeigte er nach zögerndem Anfang gestern abend in der berstend vollen Musikhalle, daß er seither keinen Rost angesetzt hat. Auch wenn der inzwischen 41jährige „King of Skiffle“ nach anderthalb Stunden leichte Konditionsschwächen zeigte und seine begeisterten Fans auffordern mußte, sich doch auch einmal mit einem langsameren Stück zufriedenzugeben – er singt die alten Lieder immer noch mit hinreißendem Feeling. Kongenial zum „King“ im Vorprogramm die Hamburger Skiffle-Band „Leinemann“, die mit einem Schuß Parodie Ihrer Musik jeden Hauch von Mottenkiste nahm.

Ivan Rebroff 1972

Mittwoch, November 29th, 1972

Der Negativfilm von 1972 ist leider ziemlich kaputt. Hier eines meiner wenigen erhaltenen Fotos von dem falschen Russen Ivan Rebroff:

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Ivan Rebroff ist ganz der alte geblieben

„Ich sehe gar keinen Grund, mein Image zu ändern“, sagte Ivan Rebroff gestern abend in der Musikhalle. Und recht hat er. Schließlich war sein Konzert ausverkauft. Warum also Experimente? Ergo zeigte der Sänger, der russische Folklore so singt, wie man sich die russische Folklore vorstellt, fast die gleiche Show wie im letzten Jahr.

Geblieben ist der schwarze Kosakenkittel vor der Pause, geblieben ist der bunte Kosakenkittel nach der Pause. Fast geblieben ist das Repertoire, ganz geblieben ist die Sympathie des Publikums: Applaus nach jedem Lied. Schon vor der Pause klatschten alle im Takt von „Kalinka“ mit. Wer mit seinen Liedern so viele erfreut, darf ruhig etwas eitel sein. hk

(Hamburger Abendblatt“ vom 29.11.1972)

Alexis Korner & Snape

Samstag, November 25th, 1972

Und zum Schluß wackelten die Stühle

Wenn Alexis Korner eine Gitarre in die Hand nimmt und den Mund aufmacht, kommt Blues raus. Und damit steckt der „Vater des weißen Blues“ jeden an, der in seine Nähe kommt – Zuhörer ebenso wie Musiker. So war es auch Freitag abend in der Musikhalle. Alexis stellte wieder einmal eine neue Band vor: „Snape“. Gemeinsam mit seinem Freund Peter Thorup, der seit drei Jahren mit Korner durch die Lande zieht, hat der Meister für „Snape“ noch fünf andere Musiker aus Gruppen wie „King Crimson“ und „Airforce“ zusammengeholt. Und als hätten sie niemals etwas anderes getan, als zusammen den Blues gespielt, zogen die sieben ihre Session auf. Das begann fast wie ein gemütlicher Gedankenaustausch nach Noten. Aber bald kam mehr Dampf in das Spiel – und zum Schluß wackelten in der Musikhalle die Stühle. hk

Hamburger Abendblatt vom 25.11.1972

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere Bilder auf Flickr.com mit Klick auf das Bild

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Dave Brubeck Quartet 1972

Samstag, November 11th, 1972

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 06.11.1972

Modern Jazz in Starbesetzung

Als sie den Oldtime-Hit „Take Five“ spielten, ging Jubel durch die Reihen. Auch sonst mußten Dave Brubeck, Gerry Mulligan und Paul Desmond, die mit der Dave Brubeck Group gestern abend in der Musikhalle gastierten, immer wieder für stürmischen Beifall danken. Kein Wunder: Was die drei Musiker des Modern Jazz da aufspielten, war noch kein bißchen angestaubt. Brubeck und Co. brachten selbst ältere Stücke, als wären sie funkelnagelneu, swingend und überhaupt nicht fußlahm.

Festival Bossa Nova do Brasil 1972

Samstag, November 4th, 1972

Karneval aus Brasilien

„Hamburger Abendblatt“ vom 04.11.1972

„Festival Folklore e Bossa Nova do Brasil 72“ Freitag in der Musikhalle: Wer da war, vergaß den trüben Hamburger Novembertag vor der Tür. Eine Woche vor dem „Elften Elften“ war hier schon Karneval. Aber nicht der rheinische, manchen allzu herzhafte, sondern das erotisierende Tanzfest des brasilianischen „mardi gras“, mit Bossa-Nova-Swing und Samba-Rhythmus. Faszinierend die einzige Frau des Festivals: Maria Bethania aus Bahia.‘ Text und Foto: H. KLAFFS

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Slade 1972

Donnerstag, Oktober 26th, 1972

In der Musikhalle war Krach erwünscht
26.10.1972

Entfesselten Musikzirkus boten gestern abend in der gut besuchten Musikhalle die „Slade“, harte Rocker im Clownskostüm. Nach dem Motto „Schrei was du kannst‘, rissen sie ihre Fans in ekstatische Begeisterung. Wer gekommen war, um Musik zu hören, war bei den „Slade“ an der falschen Adresse. Sie machten Lärm bis hart an die Schmerzgrenze: genau das Richtige für das jugendliche Publikum. Hier sagte keiner: „Sitz grade und sei ruhig.“ Sänger Noddy Holder und Gitarrist Dave Hill (unser Bild von links) munterten die Fans auf, zu klatschen, zu trampeln und zu schreien: so, wie sie es auf der Bühne vorexerzierten. Im Vorprogramm bot die weibliche Rock-Band „Fanny“ soliden Blues und Rock. hk

Hier zwei Fotos aus dem Konzert. Mehr durch Klick auf die Bilder.

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Nur Vorgruppe: Fanny

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