Posts Tagged ‘Pop’

Gilbert O’Sullivan

Donnerstag, September 26th, 1974

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Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 26.09.1974

Gilbert O’Sullivan sang im CCH

Ein hübscher Mann, dieser Gilbert O’Sullivan. Typ Pirat, ein goldener Ohrring würde gut zu fhm passen. Er trägt dafür zwei goldene Kettchen am Hals und spricht von Frauen meist im Plural. Wenn er singt, dann schaut er jedoch Ins dunkle Publikum, als meinte er nur eine ganz bestimmte, einzige. Und er hat sie alle um den Finger gewickelt. Ein Mädchen nach dem anderen kam an die Bühne, schenkte Ihm Blumen und holte sich ein Küßchen ab. Mit einer hat er getanzt und eine durfte zu ihm auf den Klavierhocker. Charmant, kokett und das gewisse Etwas in dgr nasalen Stimme: Gilbert O’Sullivan singt melancholische, dabei tröstliche Lieder. Ein süßes Gegengift für Schmuddelwetterstimmung, gestern abend kredenzt Im großen Saal des CCH. hk

Adamo

Donnerstag, November 15th, 1973

„Hamburger Abendblatt“ vom 15.11.1973

Mit Gefühl und Poesie: Ein neuer Adamo

Ein neuer Adamo sang gestern abend in der vollbesetzten Musikhalle. Die Träne, mit der er einst in Deutschland auf Reisen ging, blinkte nicht mehr im Knopfloch seines schwarzen Samtanzugs. Salvatore Adamo hat endlich Texter gefunden, die seine zärtlichen französischen Liedchen einigermaßen angemessen in die deutsche Sprache übertragen.
Ein wenig Kitsch, ein wenig Schmalz, viel Gefühl und Poesie. Adamo Ist nie aggressiv, er singt oft von Feen und Blumen, Bäumen und Wolken – aber er kann auch witzig sein.
Meist wirkt jedoch der 30 Jahre alte Chansonnier wie ein magerer Jüngling, der vor dem Balkon seiner Geliebten ein Ständchen singt. Dann wieder blitzt der Schalk im Jungengesicht.
So oder so: Das Publikum war ganz auf der Seite des Sängers. hk

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Ein Foto aus dem Konzert. Mehr Bilder durch Klick auf das Foto. Der Artikel dazu: www.hklaffs.de

The Osmonds

Donnerstag, November 8th, 1973

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Osmonds begeisterten die Fans

Die fünf Gebrüder Osmond – und mit einer Einlage „Nesthäkchen“ Jimmy Osmond als sechster im Bunde -, Pop Wunderkinder aus den USA, zogen gestern abend im CCH vor gut zweitausend begeisterten Fans im Alter von neun bis 14 Jahren ihre eindrucksvolle Show ab. Die Veranstaltung bot eine Mischung aus Rockoper, nostalgischem Cabaret und Krippenspiel, und die Brüder wirkten wie eine perfekte, chemisch reine Mischung aus Paul Anka, Elvis Presley und Mick Jagger. So ausgeklügelt und perfekt die Show der Osmonds ist – sie wirken dabei doch immer so frisch und liebenswert, wie eine Pop-Gruppe sein muß, wenn Eltern ihre Jungtöchter abends für die Vorstellung „freigeben“ sollen. hk

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 08.11.1973

Neil Diamond 1972

Freitag, Juni 9th, 1972

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere durch Klick auf das Bild!

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Und hier mein Artikel aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 09.06.1972

Eine Stimme, die schmeichelt

Emerson, Lake & Palmer, Wunderkinder der internationalen Pop-Szene, und Neil Diamond, Senkrechtstarter des amerikanischen Showbusineß, sorgten gestern und vorgestern abend mit ausverkauften Konzerten für einen erfolgreichen Ausklang der Saison in der Großen Musikhalle.

Zwei Konzerte, zwei Welten. Emerson, Lake & Palmer – unter Freunden „ELP“ – machten mit 500 000-Mark-Elektronik, Orgel, Baß und Schlagzeug „große Form“ der Rock-Musik. Respektlos, von allen Begriffen geistigen Eigentums unbeleckt, werfen sie alles, von der Klassik bis zum Blues, Tschaikowski oder Beatles, in einen großen Topf und kochen es mit viel Intelligenz und Phantasie zu heißer Musik. Das Verfahren hat den Vorteil, auch solche Zuhörer von den Stühlen zu reißen, die nie im Leben etwas von Tschaikowski gehört haben. ELP klauen, aber ihr Umgang mit dem Diebesgut ist von ganz eigener Fasson.

Neil Diamond, der gestern abend in der Musikhalle so manch innigen Blick jugendlicher Verehrerinnen auf sich zog, bietet seinen Fans keine besonderen musikalischen Attraktionen. Der Haupteffekt seiner Stimme ist der sinnliche Reiz auf das Publikum. Diamonds Stimme ist wie eine streichelnde Hand, und wenn er sich beim Singen in den Hüften wiegt, scheint die Geste wie eine Aufforderung zum Tete-a-tete. Zu Diamonds Musik klatscht man nicht den Rhythmus mit oder stampft mit den Füßen: Man schließt die Augen und summt leise mit in kollektiver Liebkosung. hk

Michael Naura 1971

Dienstag, Oktober 26th, 1971

Aus der „Welt“ vom 26.10.1971

Michael Naura: Jazz läßt sich nicht popularisieren

    Minoritätenservice — oder Musik „für Spinner“?

Vielleicht, weil er selbst Musiker ist: Michael Naura, Jazzredakteur beim Norddeutschen Rundfunk, hat gar nichts von einem „Jazzverwalter“ oder „Jazzpapst“ an sich, der sein musikalisches Himmelreich eifrig angestrengt nach allen Seiten abgrenzte, „klein, aber mein“.

Klein, darüber ist sich Naura im klaren, ist das Reich des Jazz, wenn man es an der Zahl der Interessenten unter den Hörern mißt. Aber Grenzen mag er nicht ziehen.

„Jazz — Rock — Pop“ heißt eine Sendung Nauras im 3. Programm des NDR. „Und wenn man so will“, sagt er, „ist dieser Titel programmatisch“. Nicht nur im Sinne der Behauptung, daß sich Jazz, Rock und Pop immer mehr einander annäherten und gegenseitig anregten. Diskussion und Demonstration dieser These lieferten zwar den Stoff seiner und ähnlicher Sendungen. Worauf es ihm jedoch vor allem ankomme, sei das Exempel einer Toleranz, die in diesem Fall bei der Musik beginne, nicht aber bei ihr ende.

Gefragt, ob nicht seine Hauptaufgabe sei, den Jazz „unter die Leute zu bringen“, winkt er ab. Das könne der Rundfunk niemals schaffen außer bei denen, die ohnehin schon „auf Jazz stehen“. Die Minderheitenmusik Jazz für eine größere Zahl von Hörern rezipierbar zu machen, das sei wohl die Aufgabe der pädagogischen Institutionen und der Erziehungspolitiker.

Warum sendet der NDR dann monatlich mehr als 30 Stunden Jazz, wenn diese Musik doch nur die wenigen interessiert, denen sie auf Grund ihrer Bildungsvoraussetzungen verständlich ist? Minoritätenservice im Rundfunk?

Nein, meint Naura, Minorität oder nicht Minorität sei hier nicht das Kriterium. Es gehe vielmehr darum, daß das Medium Rundfunk seinem vertraglich festgelegten publizistischen Auftrag nachkomme. So, wie jeder Hörer ein Recht habe, über politische Ereignisse informiert zu werden, müsse er auch in die Lage gesetzt werden, die zeitgenössische Musik zu beurteilen — zum Beispiel den Jazz, den man schließlich nicht wie einst als „Negermusik“ oder als Musik „von Spinnern für Spinner“ hinwegignorieren könne.

Hier übrigens sei ein Versagen der übrigen Massenmedien zu konstatieren. Free-Jazz-Musiker beklagen sich bei Naura, daß ihnen das Fernsehen keine Sendezeit einräume, der Rundfunk häufig ebenfalls keine Kenntnis von ihnen nehme, Plattengesellschaften allenfalls kleine Liebhaberproduktionen auflegten. Selbst Konzerte müssen die Musiker weitgehend selbst organisieren und wie im alten New-Orleans von Jazzkeller zu Jazzkeller ziehen. Trotz NDR, WDR und Südwestfunk findet in der deutschen Öffentlichkeit der zeitgenössische Jazz nach mehr als 70jähriger Geschichte kaum statt. Heinrich Klaffs

„British-German Pop-Meeting“ Hamburg 1971

Montag, September 20th, 1971

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„A.R. & Machines“: Achim Reichel versuchte beim British-German Pop Meeting am 18.9.1971
„eine Verbindung von elektronischer Utopie mit Pop“, wie es in der Pressemitteilung des Veranstalters Karsten Jahnke hieß

Aus der „Welt“ vom 20.9.1971

Die Rocker sorgten für Ordnung, das Rote Kreuz half den Haschern

    Das war ein müdes Musikmarathon


Ausgerechnet im Rahmen einer Wirtschaftswoche kam Hamburgs Pop-Jugend zu einem Musikmarathon, dem „British-German Pop-Meeting“, am Sonnabend in der Ernst-Merck-Halle. Ohrenschmaus von vier bis Mitternacht.

Zu einem musikalischen Ereignis allerdings geriet die Fete nicht. Völlig zu Recht warnten die mittelmäßigen Gruppen ihr Publikum: „Klatscht mal noch nicht, das Stück kann noch Scheiße werden!“ So war es denn auch.

Erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit das Publikum dennoch um Zugaben klatschte. Keiner wollte sich wohl das Versagen seiner Idole eingestehen; so herrschte die trotzige „Nun-erst-recht“-Pose vor, und das war gelegentlich etwas unkoordiniert. Schwer zu entscheiden, ob nun zustimmende oder ablehnende Pfiffe die Zugabe begrüßten.

Am besten paßten noch „A. R. & Machines“ in den langen Abend. Der simple „Meditations-Rock“ nach Art eines poppigen Orff-Schulwerkes vertrug sich gut mit dem unter Rauchschwaden dahindämmernden Publikum. Da fiel kaum auf, daß einer fragte, ob es nicht eigentlich eine Frechheit sei, mit solch einer Musik vor einem Massenpublikum aufzutreten.

Mindestens zwanzig Minuten dauerten die Umbaupausen zwischen den Auftritten der Gruppen. Gehorsam strebten dann die Pop-Fans ins Foyer zu Bockwurst, Pfefferminzschokolade und Coca-Cola, ebenso gehorsam ließen sie sich nach der Pause wieder auf dem kalten Steinfußboden in der unbestuhlten Halle nieder. Man konnte sich ausrechnen, wieviel Zehnmarkscheine bei einem ebensolchen Eintrittsgeld auf einem Quadratmeter Ernst-Merck-Hallen-Boden Platz hatten. Die Unbequemlichkeit forderte dennoch keinen Fan zu Protest heraus. Bequem zu sitzen ist wohl spießig …

Die Pop-Kultur scheint müde geworden: „Jesus-in“-Leute gingen als Plakatträger durch die Halle, verkündend „Ohne Jesu ist das Leben sinnlos“ und „Jesus in — Drugs out“. Die Mehrzahl der Musikfreunde aber suchte nach wie vor ihr Glück beim Joint. Der Haschleichen nahm sich das Deutsche Rote Kreuz fürsorglich an. Außer Sanitätern und Polizei hielten uniformierte Rocker die Ordnung aufrecht.

Des Anblicks müde und mit schmerzendem Hintern verließ der Rezensent vorzeitig die Halle. Kann sein, daß wenigstens „Family“ und „East of Eden“ zum Schluß noch gute Musik geboten haben. Heinrich Klaffs

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„Drugs out, Jesus in“ beim „British-German Pop Meeting“ am 18.9.1971 in der
Hamburger Ernst-Merck-Halle – gehascht wurde trotzdem, bis der Arzt kam