Posts Tagged ‘Rock’

Johnny Winter 1984

Montag, Juni 18th, 1984

Spargeltarzan mit Blues-Power: Johnny Winter (dass man ihn „die Gitarre“ nennt, war allerdings die Eigenmächtigkeit eines Redakteurs)

Johnny Winter 1706840013

Mein Artikel im „Hamburger Abendblatt“ vom 18.6.1984

Die Gitarre war da

Johnny Winter (40), genannt „die Gitarre“, war da. Der texanische Albino mit der stampfenden, singenden, orgelnden Blues-Gitarre spielte am Sonnabend im Stadtpark auf der Freilichtbühne. Seit 25 Jahren ist er eine lebende Legende und hat nichts verlernt. Seme Gitarre klingt immer noch wie ein ganzes Orchester mehr als einen Bassisten und Schlagzeuger braucht Johnny nicht um die Puppen tanzen zu lassen.

Bob Dylan, Joan Baez, Santana im Millerntor-Stadion

Freitag, Juni 1st, 1984

Bob Dylan, Santana, Joan Baez 3105840115

Mein Konzertbericht aus dem Hamburger Abendblatt vom 1.6.1984

15 000 Fans im Stadion jubelten – die Legende Dylan ist lebendig

Joan Baez war sichtlich gerührt Sie zerquetschte eine Träne im Augenwinkel, als sie gemeinsam mit Carlos Santana zu Bob Dylan auf die Bühne trat und mit dem alten Freund, von Carlos Santana furios begleitet, „Blowin‘ in the Wind“ sang. Immerhin lebt sie seit 20 Jahren von ihm getrennt und hat Bob Dylan seit zwei Jahren überhaupt nicht mehr gesehen. Auch der harte Kern der 15 000 Fans am Rand der Bühne im St.-Pauli-Stadion schwappte schier über vor Vergnügen. Kein Wunder. Das Lied ist mehr als 20 Jahre alt, aber es klang so frisch, als wäre es von heute.

Hamburgs Kultursenatorin Helga Schuchardt hatte nichts davon. Sie war mit den besten Erwartungen zu dem Open-Air-Konzert gekommen, hauptsächlich wegen Joan Baez, mußte aber schon um 17 Uhr, gerade als Joan Baez auftrat, wieder weg, zur Nijinsky-Gala in der Staatsoper.

Das Pop-Festival mit der Alex-Conti- Band aus Hamburg, Carlos Santana & Co., Joan Baez und Bob Dylan plus Band wäre fast ins Wasser gefallen. Bei Santanas Auftritt tanzten die Fans noch im schwülen Sonnenschein, aber dann fing es an zu gießen. Das Stadion wurde ungemütlich: Lauter kleine Pfützen auf den Planen, mit denen der kostbare Fußballrasen abgedeckt war. Die Telefon- Nummer des Wetterdienstes am Veranstalter-Wohnwagen half da nichts.

Der sympathisch-bescheidene Carlos Santana mit dem Feuerwerker Armando Peraza an den Bongos trumpfte – die Sonne im Rücken – kräftig auf. Seine Musik ist seit 1967, als er anfing, nicht schlaffer geworden. Dann Joan Baez, erst solo, bald gemeinsam mit Santana, der sie mit der Gitarre noch mehr anfeuerte. Sie sang nicht nur die Klassiker „Me and Bobby McGhee“ und „We Shall Overcome“, sondern auch drei deutsche Lieder: „Sind so klein die Hände“ von Bettina Wegener, „Wenn unsere Brüder kommen“ von Konstantin Wecker und „Wozu sind Kriege da?“ von Udo Lindenberg. Denn im Gegensatz zu Bob Dylan will Joan Baez stets auch Politik machen, wenn sie singt.

Kurz bevor der gut einstündige Auftritt von Joan Baez und Santana zu Ende ging, stellte sich Bob Dylan im St. Pauli-Clubhaus vor. Er verhielt sich für seine Verhältnisse ganz normal: Tat so müde (er war erst mittags aus Italien eingeflogen und hatte die Nacht nicht geschlafen) und gelangweilt von den Fragern und den Fragen, daß er fast vom Stuhl gefallen wäre. Wie sagte doch Joan Baez, als sie in die peinliche Szene trat? „Ich habe nie versucht, Bob zu verstehen.“ In der Tat ist von Dylan auf eine direkte Frage kaum eine direkte Antwort zu erhalten, er spielt absurdes Theater, wenn er nicht gerade auf der Bühne steht.

Der 43jährige „Joker Man“ erklärte immerhin, warum er immer noch die alten Lieder singe und was er damit sagen wolle: Erstens aktualisiere er die Texte dauernd, und was er sagen wolle, stehe in diesen Texten drin. Was mit dem Anschluß an die nächste Zuhörer- Generation sei? Wieso, antwortete Dylan: „Es gibt doch eine Menge Leute in unserem Alter.“ Als er auftrat, war er auf einmal wieder frisch. Auch die 18jährigen im Publikum jubelten: Die Legende Dylan ist lebendig.
HEINRICH KLAFFS

Bob Dylan & Santana in Verona

Mittwoch, Mai 30th, 1984

Bob Dylan, Santana 2905840040

Mein Artikel im „Hamburger Abendblatt“ vom 30.05.1984

Bob Dylan macht sich für Hamburg warm

Seine meisten Klassiker schrieb Bob Dylan in den 60er und den frühen 70er Jahren: „Blowin in the Wind“, „Mr. Tambourine Man“, „Just Like A Woman“, „Like A Rolling Stone“, „Mighty Quinn“, „All Along the Watchtower“, „Lay Lady Lay“. Sie sind lebendig geblieben. Dylan selbst und andere Interpreten singen diese Lieder seitdem immer wieder – und jedesmal kllngen sie wieder anders, manchmal so anders, daß es die große Stammgemeinde der Dylan-Fans verschreckt. „Man hört nicht zweimal denselben Bob Dylan“, schrieb einst ein Kritiker.

Joan Baez, Bob Dylan, Carlos Santana – diese Namen klingen vielen heute Dreißig- und Vierzigjährigen immer noch wie Musik in den Ohren: Der eiserne Schmetterling der Folklore-Bewegung, der geniale Dichterfürst des Rock & Roll und der überschwengliche Latin-Rocker. Morgen, am Himmelfahrtsttag, werden die drei beim Hamburger Open-Air- Festival im St.-Pauli-Stadion am Millerntor auftreten.

Das Hamburger Abendblatt besuchte vorab die Tournee-Premiere von Bob Dylan (43) und Carlos Santana (36) im altrömischen Amphitheater der italienischen Provinzhauptstadt Verona (Norditalien). Joan Baez (43) war dort noch nicht dabei – sie macht erst in Hamburg gemeinsame Sache mit den beiden anderen. Während Dylan und Santana an zwei Konzertabenden in der ausverkauften Arena von Verona 40 000 Fans begeisterten, brachte Joan Baez bei einem Solokonzert in Mailand 15 000 Fans aus dem Häuschen.

Nostalgie? Ein Gewitterregen zu Konzerbeginn wusch die Luft, und in der grandiosen Kullsse des 1600 Jahre alten Amphitheaters ist ohnehin kein Platz für so ein neumodisches Wort. Ja, das Publlkum jubelte und ließ die Feuerzeuge funkeln, wenn es Dylans alte Lieder wiedererkannte. Doch in seinem Gesang war keine Spur rückwärts gewandter Wehmut.

Dylans überragender Lead-Gitarrist Mick Taylor (ehemals Mitglied der „Rolling Stones“) und die anderen Mitglleder seiner Band legten einen fliegenden Teppich aus purem Rock ’n‘ Roll unter alte und neuere Songs – da ging die Post ab. Die paar Webfehler im Zusammenspiel der frisch vereinten Band fielen wenigen auf.

„The Times They Are A-Changing“ (Die Zeiten ändern sich) sang Dylan einst trotzig den Vätern ins Ohr. Aber er besinnt sich selbst immer wieder auf die alten Zeiten, greift zwischendurch zur akustischen Gitarre und zur Mundharmonika und stößt mit alter rauher Schärfe seine klassischen Protestsongs ins Publlkum; selbst das gute alte „Blowin‘ in the Wind“ sang er in Verona wieder.

Das Hamburger Festival wird von dem Gitarristen Alex Conti mit Band eröffnet, dann treten nacheinander Joan Baez, Santana und Dylan auf. Am Schluß soll es eine Session der drei geben. Festival-Dauer von 14 bis 22 Uhr, Einlaß ab 12 Uhr, Eintrittspreis an der Tageskasse 43 Mark. HEINRICH KLAFFS

Gianna Nannini 1984

Freitag, April 27th, 1984

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 27.4.1984

Wenn Italiens Sturmhexe Dampf macht, lodert das Feuer unter den Sitzen

Nach den ersten paar Takten gab es im vorderen Viertel des Saales nur noch Stehplätze, und das sollte knapp zwei Stunden lang so bleiben. Denn Gianna Nannini (29) war da, die italienische Sturmhexe (oder lieber Kratzbürste?) des Rock’n’Roll. Sie machte dem Publlkum im ausverkauften Großen Saal des CCH Feuer unter den Sitzen. Nach ungefähr einer Stunde war Giannas Stimme ziemlich kaputt, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. „Da kam unheimlich was rüber“, sagte jemand, der es nicht bereute, statt der Konzertkarte keine wohltemperierte Schallplatte gekauft zu haben. Ehrliche Rocker hatten im angeblich kühlen Hamburg immer gute Ernte.

Die Nannini steht auf der Buhne dauernd unter Dampf. Sie ist kein bißchen kühl, obwohl sie in emer Art Matrosendreß aus der Kullsse schoß. Selbst wenn sie von Liebe singt, klingt das wie ein Kriegsschrei, und nicht nur, weil ihre Stimme so rauh ist. In ihrem Lied über eine Fiesta klingen die Kastagnetten wie Gewehrschüsse; wenn sie tanzt, dann sieht das aus wie Schwimmen, Joggen, Ringkampf oder Karate. Karate kann sie wirklich. Einmal fällte sie den Mikrofonständer mit einem gezielten Fußtritt.

Damit ist jedoch ihre Musik nicht beschrieben. Gianna Nanninis Lieder leben vom Tempo, auch wenn sie langsam singt. Da geht es immer irgendwo hin immer vorwärts, ein langer Zug, der laut über die Schienen rattert. Und vorn auf dem Tender steht eme Frau und unterhält sich singend mit den Passagieren im letzten Waggon.

Eher lernt unsereins in der Schule das Kleine Latinum als Italienisch. Schade. Denn es scheint, als ob sich Gianna Nanninis Texte lohnen würden. Wo noch soviel bei einem ankommt, auch wenn man kaum ein Wort versteht muß eine ganze Menge zu holen sein Die Gesten der Sängerin sind nicht aus der Luft gegriffen. Lauter starke Gefühle: Die Konditorstochter Gianna singt von Selbstbefreiung und Aufbegehren, von Liebe, Leidenschaft und Kampf. Das ist Rock’n’Roll. Beim Lied „America“ (es handelt von der Freude am eigenen Körper, dem gelobten Land) hob sie kurz die Bluse – kein Skandal sondern eine Fortsetzung der Musik mit anderen Mitteln

Die „Primadonnas“ – nicht nur ein anderes Lied von Gianna Nannini, eine Verhohnepipelung der vielen selbsternannten Größen der Popmusik, sondern auch der Name ihrer Band. Das sind diesmal wieder lauter Männer, die Heizer des langen ratternden Zugs, nicht mehr und nicht weniger. Sie haben sich ihren Beifall verdient

Gianna Nannini hat sich in Hamburg bis zur Erschöpfung verausgabt. Als sie das erste Mal umfiel und „No, no, no“-schreiend mit den Füßen strampelte, war das noch Absicht. Später stolperte sie schon mal, und manche Töne blieben ihr weg. Sie darf trotzdem jederzeit gern wiederkommen. Denn solche Frauen gibt es wenig (ganz zu schweigen von den Männern). HEINRICH KLAFFS

(Leider kein eigenes Foto vorhanden. Fotografiert hat damals mein Kollege Matthias Jüschke, http://www.www.matthias-jueschke.de)

Udo Lindenberg 1984

Montag, März 19th, 1984

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 19.3.1984

Udo Lindenberg: Zehn Jahre Panik und kein bißchen leiser

Von Heinrich Klaffs

Kassel – Der Vorhang geht auf, es knallt, und ein Funkenregen sprüht. Dann beginnt das Feuerwerk erst richtig: Udo Lindenberg mit semem Panik-Zirkus ist wieder unterwegs. „Götterhämmerung“ heißt die neue Revue des dienstältesten deutschen Rock’n Rollers. Es ist die 20. Tournee Lindenbergs, der im vergangenen Jahr Jubiläum feierte: Zehn Jahre Panik und kein bißchen leiser.

Am Wochenende war „Götterhämmerungs“-Premiere in der Eissporthallevon Kassel: 7000 Karten waren verkauft, unschlagbarer Hallenrekord, denn mehr erlaubt die Pollzei nicht. Dabei hätten mindestens noch 1000 Leute ins innere Rund hineingepaßt, so dicht drängten sich die Fans vor der Bühne, ein Teppich aus Köpfen und hochgereckten Armen, pulsierend im Rhythmus des Panik-Orchesters …

Manch einem der begeisterten Zuhörer wurde in dem Gewühl die Puste knapp. Ein gutes Dutzend. Fans fiel in Ohnmacht und mußte von Ordnern aus der Menge herausgezogen werden. Einen Rollstuhlfahrer, der vor der Bühne eingekesselt war und verzweifelt um Hilfe rief, befreite Udo Lindenbergs muskelbepackter Sportkamerad und ständiger Begleiter Andre (genannt „Shadow“) aus der Klemme, indem er zu ihm durchbrach und ihn mitsamt Rollstuhl auf die Bühne stemmte. Aber „keine Panik auf der Titanic“: Die Menge blieb friedlich.

Die Band spielte schweren Rockn Roll, aber keineswegs primitiven Hammerbeat Das swingt und jazzt, walzt und stampft, schreitet daher im Tango-Rhythmus, laut, aber sauber. So gut war das Panik-Orchester noch nie beieinander, Lindenberg scheint seine Ideal-Besetzung gefunden zu haben: Hannes Bauer (Gitarre) und Steffi Stephan (Baß), Bertram Engel (Schlagzeug), Jean-Jacques Kravetz (Piano), Hendrik Schaper (Keyboards) und Olaf Kubier (Saxophon). Auch der Sänger Lindenberg hat Format gewonnen, seine gebrochene, nölige Stimme läuft nicht mehr neben den Stücken her, sie packt zu. Wenn er ab und zu eine Ballade sang, stand das Publikum in stummer Ergriffenheit, die Dunkelheit mit Wunderkerzen und Feuerzeugen illuminierend.

Zur Revue machen Lindenbergs Darsteller die Show: Der zwergenhafte Clown Felix (imZivilberuf Buchbinder) mal als Commander Superfinger, mal als Teufel, mal als Schaffner für den Sonderzug nach Pankow, der Catcher Klaus Kauroff sieht einfach stark und das Mannweib Franka Sissy einfach schön aus, Busfahrer Alfredo kommt als Bischof und als Nonne, Udo Lindenbergs Sekretärin Gabi und die anderen Panik-Feen tanzen gemeinsam mit den beiden neuen Sängerinnen des Panik-Orchesters (Anke und Bea, den „A+B-Schwestern“ aus Berlin) Gummitwist.

Die erste Panik-Revue hat 1979 noch der Regisseur Peter Zadek inszeniert („Dröhnland-Symphonie“). „Aber der“, sagt Udos Freund und Impresario Fritz Rau, „war eben kein Rock’n Roller.“ Seither führt Zirkusdirektor Lindenberg selbst Regie. Dabei sind ihm wahrhaftig apokalyptische Szenen gelungen (beim Walzer vom „Großen Frieden“ zum Beispiel). Und doch bleibt die Revue ein Laienspiel. Das ist gewollt Denn Lindenberg weiß: Die Teens und Twens im Publlkum wollen keine Oper.

Der alte Jodler Lindenberg wird ün Mai 38. Traue keinem über 30? Udo Lindenberg ist auf dem Weg, ein Star für mehrere Generationen zu werden. Seine Lieder smd Aufrufe zu kritischem Nachdenken im griffigen Kumpel-Ton, tanzbare Lehrstücke. Er formuliert das Unbehagen und die Sehnsüchte seiner Zuhörer, ohne sich anzubiedern. Da er seinen Zuhörern aufs Maul geschaut hat, erkennen sie sich in seiner Sprache wieder und singen mit, der Landwirtschaftslehrling auf der Empore ebenso wie der Rocker mit der bestickten Kutte unten im Gewühl oder die Schülerin am Bühnenrand. Und welcher Rockmusiker sonst würde eine Stunde vor dem Konzert noch eme Jugendgruppe in seine Garderobe einladen und sich ausfragen lassen?

Dabei hatte Lindenberg Ruhe nötig. Er war vergrippt, hatte nachmittags über 38 Grad Fieber und schniefte schlapp. Sein Leibarzt Dr. med. Tebbe alias „Dr. Chicago“ aus Krefeld, ein alter Jazzer, verpaßte ihm eine Penicillin-Spritze. Vollgetankt mit Salbei-Tee (seit Jahren rührt er keinen Alkohol mehr an) sprang Udo schließlich auf die Bühne und machte zweieinhalb Stunden lang Dampf. Am 18. Mai kommt er nach Bad Segeberg.

Status Quo

Mittwoch, September 17th, 1975

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 17.09.1975

Wiedergeburt des Rock ’n‘ Roll

Mit superlautem, frenetischem Rock ’n‘ Roll heizte die englische Band „Status quo“ gestern abend in der ausverkauften Musikhalle ein. Einige Zuhörer über 20 ließen sich von dem Krach erschüttern und räumten die Halle – man wird eben alt. Der Rest des Publikums zwischen 12 und 18 Jahren stand von der ersten Note an auf den Sitzen und schlenkerte die Gliedmaßen.

Bei dieser Begeisterung wäre es vermutlich nicht einmal aufgefallen, wenn die vier Musiker von „Status quo“ inmitten der übermannshohen Lautsprecher die Musik nur gemimt hätten. Sie aber kamen auf die Bühne und hatten schon gewonnen.

Eine neue Rock-’n‘-Roll-Renaissance, so scheint es, bahnt sich an. Diesmal nicht für nostalgische Spät-Twens, sondern für eifrige Teeny-Bopper. hk

Procol Harum 1974

Samstag, November 23rd, 1974

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 23.11.1974

Band „Procol Harum“: Wer einmal dieses Gift genommen…

Die Band „Procol Harum“ mit dem Sänger und Komponisten Gary Brooker zelebrierte gestern abend im CCH ihre todtraurigen Lieder. Alle Stücke sind nach der gleichen Masche gestrickt, aber wer dieses Gift einmal genommen hat, mag nicht mehr davon lassen. Die Songs sind so schön melancholisch, wie Kantaten einer Gruppe schwarz gekleideter Harlekins beim Fünf- Uhr-Tee im Foyer eines Nobel-Hotels. „Grand Hotel“ heißt denn auch eines der Lieder, andere Titel sind „A Whiter Shade Of Pale“, „Conquistador“ und „A Salty Dog“. Sie gehören schon jetzt zu den Klassikern der Popmusik. Der Haupt-Macher von „Procol Harum“ neben dem Sänger und Komponisten Brooker stand nicht mit auf der Bühne: Texter Keith Reid. hk

Udo Lindenberg Mai 1974

Mittwoch, Mai 29th, 1974

„Aus dem Hamburger Abendblatt“ vom 29.05.1974

Lieder aus der Kneipe sind salonfähig geworden

Udo Lindenberg ist „in“. Wie beim erstenmal vor einem halben Jahr hatte dieser Sänger gestern abend volles Haus in der Musikhalle. Nur war diesmal das Publikum schicker. Jetzt kommen nicht nur die Stammgäste aus der Kneipe, wo er seine Lieder erfindet und wo er sie immer noch singt. Udo Lindenberg und sein Panikorchester sind salonfähig geworden.

Der Rock ’n‘ Roll-Sänger ist deshalb nicht gleich ausgeflippt. Seine Lieder sind noch immer authentische Reportagen von den Phantasien und von der Wirklichkeit dieser Jugend, für die und von der er singt – auf deutsch, damit sie ihn auch versteht. Und schlagfertig wie je reimt Lindenberg zum Beispiel „Grethe Weiser am Synthesizer“. hk

The Osmonds

Donnerstag, November 8th, 1973

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Osmonds begeisterten die Fans

Die fünf Gebrüder Osmond – und mit einer Einlage „Nesthäkchen“ Jimmy Osmond als sechster im Bunde -, Pop Wunderkinder aus den USA, zogen gestern abend im CCH vor gut zweitausend begeisterten Fans im Alter von neun bis 14 Jahren ihre eindrucksvolle Show ab. Die Veranstaltung bot eine Mischung aus Rockoper, nostalgischem Cabaret und Krippenspiel, und die Brüder wirkten wie eine perfekte, chemisch reine Mischung aus Paul Anka, Elvis Presley und Mick Jagger. So ausgeklügelt und perfekt die Show der Osmonds ist – sie wirken dabei doch immer so frisch und liebenswert, wie eine Pop-Gruppe sein muß, wenn Eltern ihre Jungtöchter abends für die Vorstellung „freigeben“ sollen. hk

Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 08.11.1973

West, Bruce & Laing 1973

Montag, April 16th, 1973

Der explosive Rock der Spät-Twens

(Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 16.04.1973)

Wenn Rockfans höchstes Lob aussprechen, sagen sie: „Das geht ganz unheimlich los!“ Die Musik von Jack Bruce, Leslie West und Corky Laing, die als „Bruce, West & Laing“ ausgezogen sind, harten Rock zu spielen, ging ganz unheimlich los. Die drei spielten gestern in der ausverkauften Musikhalle zwar fast nur alte bis uralte Titel von Chuck Berrys „Roll over Beethoven“ bis zu „Politician“ und „Sunshine of Your Love“ von der legendären Supergruppe „Cream“. Aber die Machart dieser Musik ließ einem gar keine Zeit, an die gute alte Zeit des Heavy Rock zu denken. Viel zu frisch, viel zu spannend und viel zu explosiv klang das, was diese Spät-Twens da machten. Das sonst oft so muffelige Hamburger Pop-Publikum ließ sich denn auch nicht lumpen und gab enormen Beifall. hk

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere meiner Bilder von flickr.com durch Klick auf das Foto.

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