Posts Tagged ‘Rock’

Led Zeppelin 1973

Donnerstag, März 22nd, 1973

Mein Konzertbericht aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 22.3.1973

Selbst viele Fans flohen vor dem Lärm

„Wir wollen den Fans ordentlich einheizen“, hat Gitarrist Jimmy Page von der Rockgruppe Led Zeppelin vor der Deutschland-Tournee gesagt, die das gut verdienende Quartett gestern nach Hamburg führte.
Die Musikhalle war restlos ausverkauft – der Name Led Zeppelin hat trotz abschlaffender Pop-Welle nicht an Anziehungskraft verloren. Aber gegen Schluß des Konzerts verließen viele Fans vorzeitig den Saal. Denn von der Musik der Gruppe war nicht viel zu hören.
Zwischtöne gingen unter im ohrenbetäubenden Lärm. Die Phonstärke der Led-Zeppelin-Musik hätte für ein 20 000 Mann fassendes Stadion gereicht – in der relativ kleinen Musikhalle lag der Schallpegel bei den meisten Stücken weit über der Schmerzgrenze.
Dennoch dankte das jugendliche Publikum für jedes Stück mit viel Beifall. Freudiger Applaus begrüßte schon die ersten Takte jedes Led- Zeppelin-Hits. Schließlich kannten die meisten, die sich da manchmal die Ohren zuhielten, den wahren Klang dieser Musik wenigstens von Platten. hk

Hier eins meiner Fotos auf Flickr.com – weitere Fotos bei Klick auf das Bild.

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Robert Plant in Action

Rory Gallagher

Montag, Januar 15th, 1973

Sie feierten ihn bis in die tiefe Nacht

15.01.1973

Ein Jahr nach seinem letzten Konzert In Hamburg kam Rory Gallagher, der „weltbeste Gitarrist der Popmusik“, wieder nach Hamburg, und die 2000 Fans in der ausverkauften Musikhalle feierten ihn wie einen verlorenen Sohn. Bis halb zwölf steigerte sich die Begeisterung noch, dann hatte das Publikum Musik „satt“, und Rory konnte wohl auch nicht mehr. Der Anti-Star der Popmusik spielte auch diesmal Blues, Blues und noch einmal Blues. Aber wie er ihn spielt, das ist das Geheimnis seines dauernden Erfolgs: in Gallaghers Musik ist keine Leerstelle, kein tauber Fleck. Wenn er auf der Bühne steht, bleibt weder sein Hemd noch ein Auge trocken.

Das ist der Wortlaut meines Artikels im „Hamburger Abendblatt“ vom 15.1.1973

Hier ein Foto von Rorys Konzerten (1971 und 1973) in der Hamburger Musikhalle:

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Weitere Bilder findet ihr, wenn ihr auf das Foto klickt.

Chuck Berry 1973

Freitag, Januar 5th, 1973

Chuck wieder auf der Erfolgswelle

Der „Entengang“ ist sein Markenzeichen – heute noch wie vor 20 Jahren. Und Chuck Berry, der schwarze Sänger und Gitarrist, gilt neben seinem wilderen „Bruder“ Little Richard immer noch als der heimliche König des Rock ’n‘ Roll. Mit seinen Hits „Roll over Beethoven“, „Sweet little Sixteen“ und „Jonny B. Goode“ verdienten sich einst Rolling Stones und Beatles, deren Idol Chuck war, die ersten musikalischen Sporen. Nachdem es vor übergehend ruhig um ihn geworden war, kam der 42jährige Chuck mit dem Hit „My Ding-a-ling“ jetzt wieder ganz groß heraus – und diese Erfolgswelle trägt ihn auch nach Hamburg. Am 31. Januar gibt Chuck Berry um 18 und 20 Uhr Konzerte in der Musikhalle. hk

(Hamburger Abendblatt vom 5.1.1973)

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere Bilder durch Klick auf das Foto.

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Alexis Korner & Snape

Samstag, November 25th, 1972

Und zum Schluß wackelten die Stühle

Wenn Alexis Korner eine Gitarre in die Hand nimmt und den Mund aufmacht, kommt Blues raus. Und damit steckt der „Vater des weißen Blues“ jeden an, der in seine Nähe kommt – Zuhörer ebenso wie Musiker. So war es auch Freitag abend in der Musikhalle. Alexis stellte wieder einmal eine neue Band vor: „Snape“. Gemeinsam mit seinem Freund Peter Thorup, der seit drei Jahren mit Korner durch die Lande zieht, hat der Meister für „Snape“ noch fünf andere Musiker aus Gruppen wie „King Crimson“ und „Airforce“ zusammengeholt. Und als hätten sie niemals etwas anderes getan, als zusammen den Blues gespielt, zogen die sieben ihre Session auf. Das begann fast wie ein gemütlicher Gedankenaustausch nach Noten. Aber bald kam mehr Dampf in das Spiel – und zum Schluß wackelten in der Musikhalle die Stühle. hk

Hamburger Abendblatt vom 25.11.1972

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere Bilder auf Flickr.com mit Klick auf das Bild

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Slade 1972

Donnerstag, Oktober 26th, 1972

In der Musikhalle war Krach erwünscht
26.10.1972

Entfesselten Musikzirkus boten gestern abend in der gut besuchten Musikhalle die „Slade“, harte Rocker im Clownskostüm. Nach dem Motto „Schrei was du kannst‘, rissen sie ihre Fans in ekstatische Begeisterung. Wer gekommen war, um Musik zu hören, war bei den „Slade“ an der falschen Adresse. Sie machten Lärm bis hart an die Schmerzgrenze: genau das Richtige für das jugendliche Publikum. Hier sagte keiner: „Sitz grade und sei ruhig.“ Sänger Noddy Holder und Gitarrist Dave Hill (unser Bild von links) munterten die Fans auf, zu klatschen, zu trampeln und zu schreien: so, wie sie es auf der Bühne vorexerzierten. Im Vorprogramm bot die weibliche Rock-Band „Fanny“ soliden Blues und Rock. hk

Hier zwei Fotos aus dem Konzert. Mehr durch Klick auf die Bilder.

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Nur Vorgruppe: Fanny

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Neil Diamond 1972

Freitag, Juni 9th, 1972

Hier ein Foto aus dem Konzert. Weitere durch Klick auf das Bild!

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Und hier mein Artikel aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 09.06.1972

Eine Stimme, die schmeichelt

Emerson, Lake & Palmer, Wunderkinder der internationalen Pop-Szene, und Neil Diamond, Senkrechtstarter des amerikanischen Showbusineß, sorgten gestern und vorgestern abend mit ausverkauften Konzerten für einen erfolgreichen Ausklang der Saison in der Großen Musikhalle.

Zwei Konzerte, zwei Welten. Emerson, Lake & Palmer – unter Freunden „ELP“ – machten mit 500 000-Mark-Elektronik, Orgel, Baß und Schlagzeug „große Form“ der Rock-Musik. Respektlos, von allen Begriffen geistigen Eigentums unbeleckt, werfen sie alles, von der Klassik bis zum Blues, Tschaikowski oder Beatles, in einen großen Topf und kochen es mit viel Intelligenz und Phantasie zu heißer Musik. Das Verfahren hat den Vorteil, auch solche Zuhörer von den Stühlen zu reißen, die nie im Leben etwas von Tschaikowski gehört haben. ELP klauen, aber ihr Umgang mit dem Diebesgut ist von ganz eigener Fasson.

Neil Diamond, der gestern abend in der Musikhalle so manch innigen Blick jugendlicher Verehrerinnen auf sich zog, bietet seinen Fans keine besonderen musikalischen Attraktionen. Der Haupteffekt seiner Stimme ist der sinnliche Reiz auf das Publikum. Diamonds Stimme ist wie eine streichelnde Hand, und wenn er sich beim Singen in den Hüften wiegt, scheint die Geste wie eine Aufforderung zum Tete-a-tete. Zu Diamonds Musik klatscht man nicht den Rhythmus mit oder stampft mit den Füßen: Man schließt die Augen und summt leise mit in kollektiver Liebkosung. hk

Osibisa 1971

Donnerstag, Dezember 2nd, 1971

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Aus der „Welt“ vom 2.12.1971

Happy Music für Pop-Fans

Die Pop-Musik ist auf dem absteigenden Ast – er hängt zwischen den schmalzigen Niederungen der Schnulze und den kargen Höhen esoterischer Kunstmusik. In der Mitte gibt es manchen tumben Holzfällerrock und endlos zitierte Standards aus der goldenen Zeit des Pop. Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Wust der zahlreichen Bands sind sie fast unauffindbar.

Zu einem kleinen Revival unbekümmerter Begeisterung beim Hören von Pop, der die aus „populär“ gekürzte Bezeichnung zu Recht trug, kam es Dienstag abend in der Musikhalle. Ungewöhnlich schon, dass die Halle ausverkauft war, ungewöhnlich aber auch der, wie sich bald herausstellte, spontane Kontakt zwischen Musikern und Publikum.

Daran waren die „Osibisa“ schuld. Sie machten afrikanisch-westindische gemischte „happy music“ ganz ohne Party-Platten-Beigeschmack. Eine Prise Voodoo, eine Prise karibische Ausgelassenheit, einen Schuß Steppenlärm, alles durch die Mühle des Kommmerz gedreht und somit fein schmackhaft gemacht.

Fast mußte man befürchten, die britische Band „East of Eden“ würde anschließend einen schweren Stand haben. Weit gefehlt. Da war kein Londoner Nebel, der den Vergleich mit westindischer Sonne hätte scheuen müssen. Zwar gingen die „East of Eden“ ökonomisch mit musikalischen Mitteln um, wo die „Osibisa“ überfloß; solides Baßgefüge contra wilde Percussionsrhythmen – Spannung fehlte beiden nicht. hk

Michael Naura 1971

Dienstag, Oktober 26th, 1971

Aus der „Welt“ vom 26.10.1971

Michael Naura: Jazz läßt sich nicht popularisieren

    Minoritätenservice — oder Musik „für Spinner“?

Vielleicht, weil er selbst Musiker ist: Michael Naura, Jazzredakteur beim Norddeutschen Rundfunk, hat gar nichts von einem „Jazzverwalter“ oder „Jazzpapst“ an sich, der sein musikalisches Himmelreich eifrig angestrengt nach allen Seiten abgrenzte, „klein, aber mein“.

Klein, darüber ist sich Naura im klaren, ist das Reich des Jazz, wenn man es an der Zahl der Interessenten unter den Hörern mißt. Aber Grenzen mag er nicht ziehen.

„Jazz — Rock — Pop“ heißt eine Sendung Nauras im 3. Programm des NDR. „Und wenn man so will“, sagt er, „ist dieser Titel programmatisch“. Nicht nur im Sinne der Behauptung, daß sich Jazz, Rock und Pop immer mehr einander annäherten und gegenseitig anregten. Diskussion und Demonstration dieser These lieferten zwar den Stoff seiner und ähnlicher Sendungen. Worauf es ihm jedoch vor allem ankomme, sei das Exempel einer Toleranz, die in diesem Fall bei der Musik beginne, nicht aber bei ihr ende.

Gefragt, ob nicht seine Hauptaufgabe sei, den Jazz „unter die Leute zu bringen“, winkt er ab. Das könne der Rundfunk niemals schaffen außer bei denen, die ohnehin schon „auf Jazz stehen“. Die Minderheitenmusik Jazz für eine größere Zahl von Hörern rezipierbar zu machen, das sei wohl die Aufgabe der pädagogischen Institutionen und der Erziehungspolitiker.

Warum sendet der NDR dann monatlich mehr als 30 Stunden Jazz, wenn diese Musik doch nur die wenigen interessiert, denen sie auf Grund ihrer Bildungsvoraussetzungen verständlich ist? Minoritätenservice im Rundfunk?

Nein, meint Naura, Minorität oder nicht Minorität sei hier nicht das Kriterium. Es gehe vielmehr darum, daß das Medium Rundfunk seinem vertraglich festgelegten publizistischen Auftrag nachkomme. So, wie jeder Hörer ein Recht habe, über politische Ereignisse informiert zu werden, müsse er auch in die Lage gesetzt werden, die zeitgenössische Musik zu beurteilen — zum Beispiel den Jazz, den man schließlich nicht wie einst als „Negermusik“ oder als Musik „von Spinnern für Spinner“ hinwegignorieren könne.

Hier übrigens sei ein Versagen der übrigen Massenmedien zu konstatieren. Free-Jazz-Musiker beklagen sich bei Naura, daß ihnen das Fernsehen keine Sendezeit einräume, der Rundfunk häufig ebenfalls keine Kenntnis von ihnen nehme, Plattengesellschaften allenfalls kleine Liebhaberproduktionen auflegten. Selbst Konzerte müssen die Musiker weitgehend selbst organisieren und wie im alten New-Orleans von Jazzkeller zu Jazzkeller ziehen. Trotz NDR, WDR und Südwestfunk findet in der deutschen Öffentlichkeit der zeitgenössische Jazz nach mehr als 70jähriger Geschichte kaum statt. Heinrich Klaffs

Uriah Heep 1971

Mittwoch, September 22nd, 1971

Hier ein Foto. Mehr davon mit Klick auf das Bild bei Flickr.com

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Mein Kurzbericht über das Konzert vom 21.9.1971 im „Hamburger Abendblatt“:

Die „Uriah Heep“ begeisterten

„Gipsy“, wohl der bekannteste Hit der Uriah Heep, begeisterte unter anderem gestern abend die Zuhörer in der ausverkauften Musikhalle. Die englische
Gruppe, die seit knapp zwei Jahren auf internationalen Bühnen gastiert, bot alle Varianten des harten, progressiven Sounds.
Drei Langspielplatten sowie drei Singles sind bisher von den fünf Londoner Musikern auf dem Markt, für 1972 ist die Aufnahme von zwei weiteren Platten geplant. Im Vorprogramm spielte die englische Beat-Gruppe „Paladin“.

Hier ein längerer Bericht aus der Hamburger Tageszeitung „Die Welt“ vom 23.9.1971:

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Schwarze Rock-Messe in der Musikhalle

Die Pop-Musik hat sich selbst eingeholt. Eigentlich „progressiv“ sind noch wenige Gruppen und Musiker. Ihre Namen flüstern sich Kenner unter der Hand zu. Der Name „Uriah Heep“ ist nicht darunter.

Warum sollte er auch? Mögen die „Uriah Heep“ auch kein Geheimtip sein, ihr Publikum finden sie allemal. Die Fans waren am Dienstag in die ausverkaufte Musikhalle gekommen, um guten, soliden „Heavy-Rock“ zu hören. Sie wurden nicht entäuscht.

Das Konzert war ein Paradebeispiel für die Unterschiede auch zwischen solchen Gruppen, die einen eigenen Stil kaum noch erfinden, sondern sich eher aufs Zitieren verlegen. So begann „Paladin“, ebenfalls aus Großbritannien stammende Vorgruppe zu „Uriah Heep“, mit einem furiosen Stück über über afro-kubanischem Rhythmus und spielte unter anderem dann nach verschiedenen weiteren exotischen Zwischenstationen einen „Irish Reel“.

Daß hier andere als die traditionellen rhythmischen Muster des Pop adaptiert werden, ist legitim. Daß das Publikum jedoch zum Schluß der Show um alles in der Welt nicht dazu zu bewegen war, mitzuklatschen oder gar zu tanzen, läßt auf Mängel in der Durchführung schließen. Die „Paladine“ hatten sich im Zitieren verzettelt und darüber die eigene Rede vergessen.

Ganz anders „Uriah Heep. Bereits nach zwei nur zögernd aufgenommenen Stücken durchbrachen sie die Reserve des spröden Hamburger Publikums mit einem virtuosen Solo des Lead-Gitarristen Mick Box.

Von den liedhaften Formen am Anfang steigerten sich die fünf Protagonisten des Hard-Rock in immer ausschweifendere musikalische Ekstasen, bis ihnen dass Schlußstück nahezu zur schwarzen Rock-Messe gedieh. Während zweier Zugaben sangen und klatschten die Anfangs so reservierten Fans begeistert mit: was in Hamburg selten ist, war den „Uriah Heep“ gelungen. Sie konnten mit dem Gefühl von der Bühne gehen, nicht einfach nur konsumiert worden zu sein wie zahllose Gruppen vorher. Heinrich Klaffs

„British-German Pop-Meeting“ Hamburg 1971

Montag, September 20th, 1971

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„A.R. & Machines“: Achim Reichel versuchte beim British-German Pop Meeting am 18.9.1971
„eine Verbindung von elektronischer Utopie mit Pop“, wie es in der Pressemitteilung des Veranstalters Karsten Jahnke hieß

Aus der „Welt“ vom 20.9.1971

Die Rocker sorgten für Ordnung, das Rote Kreuz half den Haschern

    Das war ein müdes Musikmarathon


Ausgerechnet im Rahmen einer Wirtschaftswoche kam Hamburgs Pop-Jugend zu einem Musikmarathon, dem „British-German Pop-Meeting“, am Sonnabend in der Ernst-Merck-Halle. Ohrenschmaus von vier bis Mitternacht.

Zu einem musikalischen Ereignis allerdings geriet die Fete nicht. Völlig zu Recht warnten die mittelmäßigen Gruppen ihr Publikum: „Klatscht mal noch nicht, das Stück kann noch Scheiße werden!“ So war es denn auch.

Erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit das Publikum dennoch um Zugaben klatschte. Keiner wollte sich wohl das Versagen seiner Idole eingestehen; so herrschte die trotzige „Nun-erst-recht“-Pose vor, und das war gelegentlich etwas unkoordiniert. Schwer zu entscheiden, ob nun zustimmende oder ablehnende Pfiffe die Zugabe begrüßten.

Am besten paßten noch „A. R. & Machines“ in den langen Abend. Der simple „Meditations-Rock“ nach Art eines poppigen Orff-Schulwerkes vertrug sich gut mit dem unter Rauchschwaden dahindämmernden Publikum. Da fiel kaum auf, daß einer fragte, ob es nicht eigentlich eine Frechheit sei, mit solch einer Musik vor einem Massenpublikum aufzutreten.

Mindestens zwanzig Minuten dauerten die Umbaupausen zwischen den Auftritten der Gruppen. Gehorsam strebten dann die Pop-Fans ins Foyer zu Bockwurst, Pfefferminzschokolade und Coca-Cola, ebenso gehorsam ließen sie sich nach der Pause wieder auf dem kalten Steinfußboden in der unbestuhlten Halle nieder. Man konnte sich ausrechnen, wieviel Zehnmarkscheine bei einem ebensolchen Eintrittsgeld auf einem Quadratmeter Ernst-Merck-Hallen-Boden Platz hatten. Die Unbequemlichkeit forderte dennoch keinen Fan zu Protest heraus. Bequem zu sitzen ist wohl spießig …

Die Pop-Kultur scheint müde geworden: „Jesus-in“-Leute gingen als Plakatträger durch die Halle, verkündend „Ohne Jesu ist das Leben sinnlos“ und „Jesus in — Drugs out“. Die Mehrzahl der Musikfreunde aber suchte nach wie vor ihr Glück beim Joint. Der Haschleichen nahm sich das Deutsche Rote Kreuz fürsorglich an. Außer Sanitätern und Polizei hielten uniformierte Rocker die Ordnung aufrecht.

Des Anblicks müde und mit schmerzendem Hintern verließ der Rezensent vorzeitig die Halle. Kann sein, daß wenigstens „Family“ und „East of Eden“ zum Schluß noch gute Musik geboten haben. Heinrich Klaffs

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„Drugs out, Jesus in“ beim „British-German Pop Meeting“ am 18.9.1971 in der
Hamburger Ernst-Merck-Halle – gehascht wurde trotzdem, bis der Arzt kam