Posts Tagged ‘Songwriter’

José Feliciano 1972

Montag, März 6th, 1972

José Feliciano 0503720012

Viele Fans kamen vergeblich

Hamburger Abendblatt vom 06.03.1972

Noch lange nach Konzertbeginn warteten gestern im Foyer der Musikhalle Verehrer, die beim Kartenverkauf leer ausgegangen waren, auf Einlaß, als Jose Feliciano sein Gastspiel in Hamburg gab. Feliciano, der sich aus den Slums von New York in die Konzertsäle der Welt gesungen hat, sagt: „Meine Lieder sind nicht politisch, sie vermitteln Gefühle.“

Sentimental ist die Musik des blinden puertoricanischen Sängers dennoch nicht. Mit seiner Mischung aus Soul- und Bossa-Nova- Sound, seiner harten, leidenschaftlichen Stimme, brachte er das Publikum vom ersten Lied an auf seine Seite. Nicht nur für seine Schlager „Light my Fire“ und „Che sera“ gab es Vorapplaus – der Beifall galt den Liedern und dem Sänger. hk

Judy Collins & Tom Paxton 1971

Donnerstag, November 18th, 1971

Judy Collins 1711710027

Eins meiner Judy-Collins-Fotos von diesem Konzertabend

Und hier Tom Paxton:

Tom Paxton 1711710012

Der Konzertbericht aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 18.11.1971. Diesen Artikel zitiere ich mit der freundlichen Genehmigung des Autors, meines damaligen Kollegen Werner Sillescu, der für die Pop-, Jazz- und Rock-Musikberichterstattung im Abendblatt manche Lanze gebrochen hat

In schwarzem Samt kam die Romantik aus den USA

In ein schwarzes Samtgewand mit gestickten Blumenbordüren gehüllt, sang sie mit glockenreiner, süßer Stimme elegische Lieder zur Laute von Liebe und Leid, von Sternen und Blumen, von Tränen und Tod. Lieder, aus deren Melodik die „Winterreise“ von Schubert, aus deren Texten der frühe Rilke hervorblinzelte. Lieder, in denen die Welt schön und das Leben vom Gefühl bestimmt ist. Lieder, in denen Sehnsucht schwingt nach Stille und Frieden in einer lärmerfüllten und gewalttätigen Welt.

Es gelingt der Zauberin auf der Bühne der Musikhalle, die ihre Mitmusikanten höflich mit Miss und Mister vorstellt, dem Zuhörer zu entrücken, und zwar macht sie dies mit ihrer unwahrscheinlich schönen Stimme, die sanft und süß und virtuos gehandhabt unwirklich durch den Raum schwebt, das Gemüt berauschend, Schauer über die Haut jagend, manchmal herb metallisch gefärbt: „My lover is dead …“ Gefallen in Vietnam.

Ich weiß nicht, ob die jungen Leute, die in der Musikhalle die Prophetin der Poesie feierten, alle mit dieser Renaissance der Romantik vorbehaltlos einverstanden waren; immerhin hörte ich beim Hinausgehen auch die bissige Bemerkung: „Wie gut, daß Musik nicht dick macht . . .“

Ganz anders: Tom Paxton, der den ersten Teil des Abends bestritt. Auch bei ihm bestimmen großartige Stimme, volksliedhafte Melodik das Bild, aber seine Texte sind vielseitiger orientiert, seine Poesie ist realistisch, sein kritisches Engagement präzise artikuliert. Auch Tom Paxton begann mit einem elegischen Liebeslied, aber nach einigen unverbindlichen Songs wurde er bissig (Der Strafgefangene von Attica), kabarettistisch (American Way of Death), makaber komisch (marihuanarauchender Gl in Vietnam). Paxtons Musik macht ganz bestimmt nicht dick. sic