Posts Tagged ‘Soul’

James Brown 1973

Montag, Februar 19th, 1973

Mein Konzertbericht aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 19.2.1973:

Seine „Botschaft“ elektrisierte die 3000 Fans

„Soul Brother Number One“ James Brown sang gestern abend in der Musikhalle. Und in zwei Konzerten hörten mehr als 3000 schwarze und weiße Fans die „Botschaft“ des farbigen Sängers, der mit dem Hit „Sex-Machine“ weltberühmt wurde.
Nachdem seine elfköpfige Begleitband mit viel schmetterndem Blech für die nötige Basistemperatur in der Musikhalle gesorgt hatte, erschien endlich der Meister selbst auf der Bühne. Im Bund mit Soul-„Sister“ Lynn Collins sorgte er bis zur Pause dafür, daß die Rhythmus-Maschine vollends auf Touren kam. Erst in der’zweiten Hälfte des Konzerts legte er richtig los. Da erst explodierte „Mister Dynamit“.
Differenzierten musikalischen- Klang hat er nicht zu bieten. Aber wie er sang und schrie, wie er tanzte im zukkenden Blitzlicht, wie er auf der Bühne herumsprang und ganz Vitalität und kein bißchen „Kunst“ war, elektrisierte er sein Publikum. Im frenetischen Schlußakt reckten sich überall dunkle Fäuste zum Black-Power-Gruß, tanzten zwischen und auf den Plätzen entfesselte Gestalten, war der Sänger Über-Derwisch unter lauter Derwischen. hk

Hier eins meiner Fotos aus dem Konzert. Weitere Bilder durch Klick auf das Bild.

James Brown Live 1702730047

Ray Charles 1971

Montag, September 27th, 1971

Ray Carles 260971neu000

Aus der „Welt“ vom 27.9.1971

Eine Legende verliert an Glanz

Seit seiner ersten Europa-Tournee im Jahr 1963 gilt Ray Charles auch hierzuilande als einer der größten Entertainer des Showbusineß. Alle Jahre wieder zieht „der Meister“ seitedem seine „heiße Spur“ durch Deutschland – der Superlative in der Werbung ist kein Ende.

So kamen auch am Wochenende wieder die Verehrer des blinden „Genius“ in die Musikhalle, um eine Legende leibhaftig zu sehen und zu hören.

Willig ertrugen die zahlreichen Jugendlichen aus der „Pop-Generation“ eine Stunde lang den perfekten, aber gestrig glatten Big-Band-Sound des „Ray Charles Orchestra“ und den gefälligen Soul der „Raelets“. Alle warteten auf den Augenblick, da der „King of Soul“ selbst auf die Bühne treten würde.

Und dann kam er endlich – begleitet von seinem Impresario – und dankte mit spontanen Gesten für den Begrüßungsapplaus. Aber seltsam. Die Magie, von der es heißt, Ray Charles würde sich „nie von ihrem Pfad entfernen““, blieb aus. Was er auch sang, war es nun das blueshafte „Georgia on my mind“ oder der große Hit aus dem Ende der fünfziger Jahre „I can’t stop loving you“ – es blieb ein uneingelöstes Versprechen. Ray Charles entschuldigte sich beim Publikum, die Verstärkertechnik entsprach nicht seinen Vorstellungen. Der Beifall zeigte, man nahm die Ausflucht willig hin.

Doch technische Mängel allein mögen die Enttäuschung vo allem der jüngeren Zuhörer nicht verursacht zu haben. Der 41jährige „Genius“ scheint alt und verbraucht. Frank Sinatra hat bereits abgedankt. Ist auch die Ära Ray Charles zu Ende? Heinrich Klaffs